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Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft

George Soros

Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft. Die heutige Finanzkrise und was sie bedeutet

München: FinanzBuch Verlag GmbH 2008; 174 S.; hardc., 24,90 €; ISBN 978-3-89879-413-8
Gemäß der Theorie des Philosophen Karl Popper sind wissenschaftliche Theorien nicht verifizierbar, sondern als Hypothesen zu behandeln, die falsifiziert werden können. Beeinflusst vom Popper’schen Denken stellte Soros die Grundlagen, auf denen die Theorie des vollkommenen Wettbewerbs beruht, schon früh infrage. Dies galt im Besonderen für die Annahme des perfekten Wissens: „Mir wurde klar, dass Marktteilnehmer nicht allein aufgrund ihres Wissens entscheiden und dass ihre subjektiven Wahrnehmungen letztlich nicht nur die Marktpreise beeinflussen, sondern auch die Fundamentalbedingungen, die von den Preisen angeblich nur widergespiegelt werden“ (7). Soros geht davon aus, dass das Denken der Marktteilnehmer eine doppelte Funktion hat: Einerseits würden sie versuchen, ihre Lage zu verstehen, Soros spricht in diesem Zusammenhang von einer kognitiven Funktion, andererseits diese zu verändern. Letztere bezeichnet er als partizipative Funktion. Diese beiden Funktionen wirkten entgegengesetzt und kollidierten unter bestimmten Umständen – eine Interferenz, die von Soros als Reflexivität bezeichnet wird. Soros’ 1987 erschienenes Werk über die Theorie der Reflexivität wurde zum Kultbuch. In akademischen Kreisen konnte er damit allerdings nicht Fuß fassen. Dennoch leitete ihn sein eigener theoretischer Rahmen bei seiner Karriere als Hedgefonds-Manager. Die sich anbahnende Finanzkrise animierte ihn zur Vorlage einer aktuellen Analyse der Situation an den Finanzmärkten. Mithilfe dieses zeitnahen Einblicks möchte Soros seiner Theorie der Reflexivität erneut zur Geltung verhelfen. Die gegenwärtige Krise markiere einen Wendepunkt in der Akzeptanz des Leitsatzes, dass Märkte zum Gleichgewicht tendierten. Diese Annahme sei als Grundlage des internationalen Finanzsystems unhaltbar geworden. Die gegenwärtige Krise erfordere ein neues Paradigma.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.43 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: George Soros: Das Ende der Finanzmärkte – und deren Zukunft. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30322-das-ende-der-finanzmaerkte--und-deren-zukunft_35984, veröffentlicht am 08.04.2009. Buch-Nr.: 35984 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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