Portal für Politikwissenschaft

Demokratische Willensbildung im Internetzeitalter

Eva Bockmühl

Demokratische Willensbildung im Internetzeitalter. Eine politökonomische Analyse

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2008 (Demokratie und Demokratisierungsprozesse 4); XVII, 332 S.; 78,- €; ISBN 978-3-8300-3712-5
Wirtschaftswiss. Diss. Münster. – Die Autorin positioniert sich in ihrer Untersuchung demokratischer Willensbildungsprozesse zwischen den Extrempositionen der Internet-Optimisten und Internet-Pessimisten. „Für Erstere legt das Internet den Grundstein für eine neue Form der Bürgerbeteiligung […]. Die Internet-Pessimisten stellen hingegen die Gefahren einer allumfassenden Kontrolle und Manipulation […] in den Vordergrund.“ (2) Stattdessen sieht Bockmühl das Desiderat, die „ungeklärte Frage der Vor- und Nachteile des Internets für die gesellschaftspolitische Partizipationsfähigkeit der Bürger“ (2 f.) anhand von Kosten-Nutzen-Kalkülen aus der Neuen Politischen Ökonomie zu eruieren. Im ersten Teil der Abhandlung entwickelt sie ein formales ökonomisches Modell der repräsentativen Demokratie, in dem Zustimmungserfordernis, Delegations- und Repräsentationsgrad die wesentlichen Faktoren darstellen. In einem zweiten Schritt zeigt sie auf, wie das Internet die wesentlichen Prozessschritte kollektiver Willensbildung – Informationsbereitstellung, Informationsrezeption, Diskussion, Abstimmung – beeinflusst. In der Zusammenführung beider Schritte entwickelt Bockmühl eine Begründung für eine etwas direktere Demokratie, in der die Möglichkeiten des Internets genutzt werden, um unter Beibehaltung der einfachen Mehrheitsregel mehr Entscheidungen unmittelbar von der Bevölkerung treffen zu lassen und die Repräsentativität der Abgeordneten durch Vergrößerung ihrer Zahl, Optimierung ihrer Auswahl und eine stärkere Transparenz ihrer Arbeit zu verbessern. Genuin politikwissenschaftliche Erwägungen wie etwa zur Durchsetzbarkeit der anvisierten Reformen oder zum Einfluss organisierter Interessen- und Lobbygruppen werden in die wirtschaftswissenschaftliche Argumentation nur am Rande eingebaut.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.22 | 2.21 | 2.2 | 5.45 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Eva Bockmühl: Demokratische Willensbildung im Internetzeitalter. Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30190-demokratische-willensbildung-im-internetzeitalter_35799, veröffentlicht am 16.07.2009. Buch-Nr.: 35799 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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