Portal für Politikwissenschaft

Geschichtspolitik und demokratische Kultur

Beatrix Bouvier / Michael Schneider (Hrsg.)

Geschichtspolitik und demokratische Kultur. Bilanz und Perspektiven

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2008 (Politik und Gesellschaftsgeschichte 78); 190 S.; hardc., 28,- €; ISBN 978-3-8012-4183-4
Entstanden ist der Band aus einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung im Februar 2008 in Bonn anlässlich der Verabschiedung von Dieter Dowe, der die Aktivitäten des Historischen Forschungszentrums der Stiftung über Jahrzehnte geprägt hat. Welchen Beitrag Geschichtspolitik zur historischen Bildung, zur Ausbildung eines Geschichtsbewusstseins leisten kann sowie mit welchen Themen und Mitteln sich das Interesse an Geschichte wecken lässt, wurde während der Veranstaltung thematisiert. Im Mittelpunkt stand die Frage nach dem „Beitrag ‚der’ Geschichtspolitik zur Ausbildung einer demokratischen politischen Kultur und damit letztlich die [...] nach der Relevanz historischer Erkenntnis und öffentlichen Erinnerns für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft“ (10). Ein Themenabschnitt ist der Erinnerung an das Wirken emanzipatorischer Bewegungen gewidmet, wie beispielsweise der Studentenbewegung 1968 und den von ihr ausgehenden Impulsen zur Veränderung. Deren Gestaltungsvermögen schätzt Klaus Schönhoven insgesamt als eher begrenzt ein, sie sei eine „lautstarke, aber politisch ohnmächtige“ (60) Protestbewegung gegen die Große Koalition gewesen, die nach deren Ende ebenfalls zerfiel. Daher könne das Jahr 1968 nicht als Zeitenwende in der Geschichte der Bundesrepublik bezeichnet werden. In einem weiteren Teil werden die Aufarbeitung von Diktatur und Diktaturerfahrungen beleuchtet. Dabei geht es um die Erinnerung an den Nationalsozialismus, die eine der „kompliziertesten Herausforderungen“ (65) für die Geschichtspolitik darstellt, sowie an die Diktatur der SED. Auch die Praxis der Erinnerung an Personen, an ihr Wirken und ihre Wirkung wird am Beispiel von Karl Marx, Friedrich Ebert, Konrad Adenauer und Willy Brandt betrachtet sowie abschließend das gemeinsame Erinnern als Beitrag zur internationalen Verständigung. Insgesamt zeigen die Beiträge die Möglichkeiten einer „auf seriöser Forschung basierenden mit ihr immer wieder rückgekoppelten Geschichtspolitik auf, deren Ziel es ist, den Menschen die Grundideen pluralistischer Demokratie zu vermitteln“ (187).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.331 | 2.314 | 2.61 | 2.65 | 4.2 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Beatrix Bouvier / Michael Schneider (Hrsg.): Geschichtspolitik und demokratische Kultur. Bonn: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29954-geschichtspolitik-und-demokratische-kultur_35503, veröffentlicht am 26.02.2009. Buch-Nr.: 35503 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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