Portal für Politikwissenschaft

Wirtschaft und Wertekultur(en)

Georg Pfleiderer / Alexander Heit (Hrsg.)

Wirtschaft und Wertekultur(en) Zur Aktualität von Max Webers "Protestantischer Ethik"

Zürich: TVZ Theologischer Verlag 2008 (Christentum und Kultur 9); 295 S.; pb., 32,- €; ISBN 978-3-290-17461-3
Max Weber sieht in seiner „protestantischen Ethik“ den Geist des Kapitalismus in einem engen Zusammenhang von Rationalität und Irrationalität begründet. Aus dieser Multidimensionalität erschließt sich für ihn die spezifische Modernität dieser Wirtschaftsform – für die Herausgeber der Beweis dafür, dass Weber bewusst war, welche gravierenden sozialen Widersprüche der Kapitalismus erzeugen konnte. Sie fragen, „wer hätte vor Weber das Deutungsproblem, das der moderne Kapitalismus stellt, überhaupt so beschrieben – nämlich gewissermaßen als kategorialen inneren Widerspruch seines Begriffs: als Paradoxie?“ (9). In diesem Licht interpretieren sie das Phänomen der nahezu universellen Verbreitung des Kapitalismus, dessen Existenz nach Weber von hoher Unwahrscheinlichkeit geprägt ist. Die Beiträge resultieren aus dem Kongress Wirtschaft und Wertekultur, der anlässlich des hundertjährigen Jubiläums von Webers Schrift 2005 in Basel ausgerichtet wurde. Schon der Titel dieser Veranstaltung macht deutlich, worum es den Autoren in ihren Essays geht: „Weber wird in ihnen gleichsam zum Nennwert seiner These genommen, als Theoretiker des Verhältnisses von Wirtschaft, alias ‚kapitalistischem Geist’, und religiös-sozialer Ethik – mit gegenwartdiagnostischem Anspruch.“ (11) Zum Beispiel behandelt der St. Gallener Wirtschaftsethiker Ulrich Thielmann die Kodierung unseres täglichen Lebens durch die Systemvorgaben der ökonomischen Realität. Er kritisiert, dass soziale Härten durch den Verweis auf den distanzlosen Druck des Systems entschuldigt werden. Und der Baseler Philosoph Andreas Brenner setzt die Koordinaten Arbeit, Zeit und Geld miteinander ins Verhältnis und entwirft die Visioin einer Gesellschaft, in der Müßiggang und nicht Arbeit die vorherrschende Lebenshaltung darstellt. Um diese realisieren zu können, schlägt er die Einführung des Grundeinkommens vor.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42 | 2.2 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Georg Pfleiderer / Alexander Heit (Hrsg.): Wirtschaft und Wertekultur(en) Zürich: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29830-wirtschaft-und-wertekulturen_35339, veröffentlicht am 13.01.2009. Buch-Nr.: 35339 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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