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Kommunale Selbstverwaltung als Beitrag zur Ent-Ethnisierung ethnischer Konflikte in Äthiopien

Lemma Yifrashewa Betru

Kommunale Selbstverwaltung als Beitrag zur Ent-Ethnisierung ethnischer Konflikte in Äthiopien

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2008 (Politica 71); XVIII, 383 S.; 68,- €; ISBN 978-3-8300-3409-4
Politikwiss. Diss. Erfurt; Gutachter: D. Herz. – Ist ein ethnisch begründeter Föderalismus die geeignete Staatsform für Äthiopien? Wie können unterschiedliche Gruppen einer fragmentierten Gesellschaft gleichberechtigt in das politische System integriert und der Kreislauf von Gewalt langfristig durchbrochen werden? Diesen klassischen Fragen der Debatte über den Beitrag von institutionellen Arrangements zur Konfliktbeilegung nimmt sich Betru in seiner umfangreichen Dissertation an. Seine zentrale These ist, dass eine demokratische kommunale Selbstverwaltung in Äthiopien dazu beitragen kann, langfristig die Ethnifizierung der Politik zu unterbinden, „denn Kommunen sind nicht nur Orte, in denen Konflikte entstehen und ausgetragen werden, sondern sie sind auch Orte, wo eine friedliche Konfliktregelung möglich ist.“ (XI) Die Analyse ist auf Interviews und Feldforschungen gestützt, die 2003/2004 in Äthiopien durchgeführt wurden. Das zentrale Erkenntnisinteresse des Autors ist, ob die anerkannten Erklärungsansätze zur Definition ethnischer Konflikte in diesem speziellen Fall anwendbar sind. Dabei bezieht sich Betru auf die primordialistischen, konstruktivistischen und marxistisch-leninistischen Ansätze zur Entstehung ethnischer Konflikte. Darüber hinaus wird das theoretische Design der Arbeit von Theorien der kommunalen Selbstverwaltung, wie der mittelbaren und unmittelbaren Vollzugstheorie, getragen. Der Autor beschreibt die Positionen der Gegner und Befürworter des Konzepts des ethnischen Föderalismus und vermittelt dem Leser ein fundiertes Wissen über die politische Situation in Äthiopien. Die Befürworter des Modells, zu denen u. a. die Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front (EPRDF) zu zählen ist, sehen in einem ethnisch geprägten Staatsaufbau die Grundlage für die Bildung und den Erhalt der Einheit Äthiopiens. Die Gegner vertreten hingegen die Meinung, dass ein ethnischer Föderalismus die Grenzen innerhalb der Gesellschaft verstärkt und somit zur Segregation der einzelnen Gruppen beiträgt.
Merle Vetterlein (MEV)
Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
Rubrizierung: 2.67 | 2.21 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Merle Vetterlein, Rezension zu: Lemma Yifrashewa Betru: Kommunale Selbstverwaltung als Beitrag zur Ent-Ethnisierung ethnischer Konflikte in Äthiopien Hamburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29335-kommunale-selbstverwaltung-als-beitrag-zur-ent-ethnisierung-ethnischer-konflikte-in-aethiopien_34699, veröffentlicht am 16.09.2008. Buch-Nr.: 34699 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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