Portal für Politikwissenschaft

Private Sicherheits- und Militärfirmen

Walter Feichtinger / Wolfgang Braumandl / Nieves-Erzsebet Kautny (Hrsg.)

Private Sicherheits- und Militärfirmen. Konkurrenten – Partner – Totengräber?

Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2008 (Internationale Sicherheit und Konfliktmanagement 2); 327 S.; brosch., 35,- €; ISBN 978-3-205-77742-7
Empirischer Ausgangspunkt der Beiträge ist ein scheinbares Paradoxon: Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes ist die Zahl der sicherheitspolitischen Herausforderungen für die Staaten gestiegen und ihre Formen haben sich stark ausdifferenziert. Zugleich haben Staaten ihre Streitkräfte als Friedensdividende drastisch reduziert, während gleichzeitig die Zahl bewaffneter Konflikte, vor allem innerstaatlicher Natur, angestiegen ist. Als Reaktion darauf haben sich viele Staaten – vordergründig aus wirtschaftlichen Beweggründen – immer stärker aus dem Bereich des sicherheitspolitischen Handelns zurückgezogen und zahlreiche Aufgaben privaten Anbietern übertragen. Dies mag für logistische Fragen noch unproblematisch erscheinen. Politisch heikel und politikwissenschaftlich interessant wird es, wenn Staaten mit der Verpflichtung „privater Soldaten“ letztlich ihr eigenes Gewaltmonopol infrage stellen und ihre außenpolitische sowie militärische Handlungsfreiheit eingrenzen. Illustrieren lässt sich dies z. B. damit, dass private Militärfirmen im Irak mit geschätzten 25.000 Mann nach den USA bereits das zweitstärkste Kontingent stellen. Auf diese Aushöhlung staatlicher Kernfunktionen verweisen Kritiker angesichts des verstärkten Auftretens privater Dienstleister im militärischen Bereich. Befürworter privater Sicherheits- und Militärunternehmen hingegen argumentieren, dass diese gerade in denjenigen Situationen zum Einsatz kommen könnten, in denen Staaten nicht oder nur sehr langsam Truppen für die Krisenintervention zu verlegen bereit sind. So hätte beispielsweise der Völkermord in Ruanda verhindert werden können, argumentieren sie. In den 20 Beiträgen dieses Bandes werden zahlreiche politische, rechtliche, militärische und operative Aspekte der Debatte erörtert. Dabei kommen namhafte Kritiker ebenso zu Wort wie Vertreter der Branche oder Praktiker mit Erfahrungen aus Afghanistan, dem Irak oder Bosnien-Herzegowina.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.41 | 4.1 | 2.263 | 2.68 | 2.61 | 2.62 | 2.63 | 2.4 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Walter Feichtinger / Wolfgang Braumandl / Nieves-Erzsebet Kautny (Hrsg.): Private Sicherheits- und Militärfirmen. Wien/Köln/Weimar: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29221-private-sicherheits--und-militaerfirmen_34556, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 34556 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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