Portal für Politikwissenschaft

George W. Bush und der fanatische Krieg gegen den Terrorismus

Hans-Dieter König

George W. Bush und der fanatische Krieg gegen den Terrorismus. Eine psychoanalytische Studie zum Autoritarismus in Amerika

Gießen: Psychosozial-Verlag 2008 (Psyche und Gesellschaft); 314 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-89806-789-8
Der Autor untersucht zwei Reden George W. Bushs und eine Ansprache Osama bin Ladens sowohl in ihrer Wirkung auf das Publikum als auch daraufhin, was sie über die Redner verraten. Zudem schildert König den Umgang von Patienten mit den Erlebnissen um den 11. September 2001 aus seiner psychoanalytischen Praxis. Dabei strebt er die Perspektive einer politischen Psychologie in der Tradition von Max Horkheimers kritischer Gesellschaftstheorie an, die ebenfalls die Psychoanalyse als Forschungsinstrument nutzt. Konstanter Bezugspunkt sind die irrationalen Affekte infolge des 11. September, die an Vorurteile und aggressive Impulse appelliert hätten. Die Reden Bushs zeigten dessen Inszenierung als Feldherr und Prediger, der zum Krieg gegen ein Abstraktum, das Böse, aufrufe. Dabei lägen die Folterpraktiken im Guantanamo Bay und in Abu Ghureib in der Logik eines Denkens des Autoritarismus, der die Welt durch Zerstörung neu schaffen wolle. Der Autor betont, dass die Bilder des 11. September nicht nur bei Amerikanern, sondern auch bei Europäern massive Ängste und aggressive Impulse auslösten, die irrationale Fantasien und autoritäre Verhaltensbereitschaften freisetzten, und nimmt dabei Bezug auf Theodor W. Adornos Autoritarismusstudie. Zu Beginn des Buches wird detailliert die Methode erläutert, was den Nachvollzug dieses für manchen Leser womöglich exotischen Ansatzes erleichtert. Außerdem wird Bezug auf Alfred Lorenzers Tiefenhermeneutik genommen, die sehr fruchtbar zur Analyse von Gruppenerleben ist. Im dritten Kapitel findet sich zudem eine kritische Untersuchung der ebenfalls psychoanalytischen Studie „Bush auf der Couch“ von Justin Frank von 2004. Den Abschluss bildet eine Auseinandersetzung mit Richard Sennetts These vom sanften Faschismus in den USA, die von König verworfen wird. Seiner Ansicht nach handelt es sich um einen Autoritarismus, der die Möglichkeiten der Demokratie in zahlreichen Bereichen blockiere. Der Text weist eine gewisse Redundanz auf, da das Buch Ergebnis zweier zusammengeführter Forschungsprojekte ist.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.64 | 2.24 | 2.25 | 4.22 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Hans-Dieter König: George W. Bush und der fanatische Krieg gegen den Terrorismus. Gießen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28879-george-w-bush-und-der-fanatische-krieg-gegen-den-terrorismus_34085, veröffentlicht am 24.06.2008. Buch-Nr.: 34085 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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