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Der Korea-Krieg und die Gesellschaft

Dong-Choon Kim

Der Korea-Krieg und die Gesellschaft

Münster: Westfälisches Dampfboot 2007; 324 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-89691-658-7
Kim, der als Soziologie-Professor in Seoul arbeitet, vertritt die These, dass Gewalttätigkeit „ein integraler Bestandteil der gesellschaftlichen Beziehungen in Südkorea“ (11) sei. Darin wirke das Erbe des Koreakrieges nach. Das heutige System interpretiert er als die zivile Erscheinungsform der durch den Koreakrieg hervorgerufenen militärischen Ordnung. Es sei fatal, dass bis heute nur eine Interpretation des Koreakrieges zulässig sei und etwa alle Hinweise auf Untaten der südkoreanischen Streitkräfte systematisch unterdrückt würden. An dieser Einseitigkeit leide die koreanische Gesellschaft bis heute. Dong-Choon Kim will dem entgegenwirken, indem er den Betroffenen eine Stimme gibt. Dass er dabei vor allem die Aussagen von Südkoreanern dokumentiert, ist den politischen Verhältnissen geschuldet. Die einseitige nordkoreanische Interpretation des von den Kommunisten begonnenen Krieges als Landesverteidigung lehnt Kim auch vehement ab. Er äußert vielmehr die Befürchtung, dass die einseitige Geschichtsinterpretation auf beiden Seiten ein unüberwindbares Hindernis für eine Vereinigung werden könnte. Das Buch besteht deshalb im Wesentlichen aus einer Darstellung des Koreakrieges aus einer nicht-offiziellen Perspektive. Kim lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und entwirft auf diese Weise das Bild eines Krieges jenseits aller antikommunistischen oder anti-imperialistischen Propaganda; eines Krieges, der zu Gewaltexzessen führte, die teilweise nie thematisiert, geschweige denn aufgearbeitet wurden. Sie belasten die südkoreanische Gesellschaft deshalb bis heute. „Die Kampfhandlungen haben aufgehört, aber der Krieg hat tiefe Wurzeln in Politik und Gesellschaft geschlagen und reproduziert sich dort stets aufs Neue.“ (249) Kim macht dafür auch das kapitalistische Wirtschaftssystem verantwortlich, was seiner humanitären Ausrichtung bei der Interpretation der Folgen des Krieges eine dezidiert politische Wendung gibt – und ihr durch die Pauschalität des Vorwurfs auch einiges von ihrer Überzeugungskraft nimmt.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 | 2.23 | 2.25 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Dong-Choon Kim: Der Korea-Krieg und die Gesellschaft Münster: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27688-der-korea-krieg-und-die-gesellschaft_32518, veröffentlicht am 02.09.2008. Buch-Nr.: 32518 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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