Portal für Politikwissenschaft

Erbabgeordnete in Japan

Kai-Friedrich Donau

Erbabgeordnete in Japan. Entstehung und Zukunft eines Rekrutierungspfades

Online-Publikation 2006 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=982418981); 224 S.
Politikwiss. Diss. Göttingen; Gutachter: P. Lösche, M. Pohl. – Erbabgeordnete stellen einen besonderen Rekrutierungsmechanismus für Abgeordnete dar, der im japanischen Parlament recht häufig vorkommt. „Als Erbabgeordnete werden in Japan Politiker bezeichnet, die in zweiter, dritter oder sogar vierter Generation als Abgeordnete tätig sind und häufig Wahlkreise vertreten, für die schon ihre Väter und Großväter ein Mandat ausgeübt haben.“ (8) Eine Hoffnung bei der Einführung der politischen Reformen von 1994, die unter anderem eine Wahlrechtsreform umfassten, war es, die Zahl der Erbabgeordneten zu begrenzen. Donau untersucht, ob dies gelang. Zunächst stellt er jedoch die wesentlichen Kennzeichen des sogenannten 1955er-Systems dar, das bis einschließlich 1993 die japanische Politik prägte. Dabei analysiert er auch die Entstehung des Rekrutierungsmechanismus „Erbabgeordneter“ und die Frage, welche Rolle solche Unterhausmitglieder spielten. Der Hauptteil der Studie besteht jedoch in der Analyse des Phänomens Erbabgeordnete im politischen System nach 1994. Die Reformen führten keineswegs dazu, dass deren Zahl geringer wurde. Im Jahre 2002 konnten immer noch 28,5 % der Mitglieder des Unterhauses zur Kategorie der Erbabgeordneten gezählt werden. Donaus Untersuchung basiert im Wesentlichen auf qualitativen Interviews, die er von 2003 bis 2005 mit japanischen Unterhausabgeordneten über die Veränderung der politischen Rekrutierung und die Zukunft der Erbabgeordneten in der japanischen Demokratie führte. Es zeigt sich, dass sie sowohl bei der Rekrutierung als auch bei den Karrierechancen immer noch deutliche Vorteile vor anderen Bewerbern haben. Das Gewicht der Parteizentrale ist bei der Auswahl immer noch sehr groß und auch die persönlichen Unterstützergruppen, die zumeist vom Vater übernommen werden, spielen eine große Rolle. Die Reform von 1994 hat ihre Ziele insofern also nicht erreicht. Sie griff einfach zu kurz: Donau hält eine Stärkung lokaler Parteiorganisationen und mehr Transparenz bei der Kandidatenaufstellung für unabdingbar.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Kai-Friedrich Donau: Erbabgeordnete in Japan. 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27625-erbabgeordnete-in-japan_32424, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32424 Rezension drucken

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