Portal für Politikwissenschaft

Gleichstellungspolitik als Machtspiel

Elke Wiechmann

Gleichstellungspolitik als Machtspiel. Eine mikropolitische Analyse der Gleichstellungspolitik in kommunalen Reorganisationsprozessen. Mit einem Vorwort von Leo Kißler

Freiburg: Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen 2006; VII, 193 S.; hardc., 49,90 €; ISBN 978-3-939348-06-1
Sozialwiss. Diss. Marburg. – Die Anfang der 90er-Jahre mit dem Neuen Steuerungsmodell ausgelöste kommunale Verwaltungsreformbewegung verstand sich als „geschlechterneutral“, insofern verlief sie zwar in etwa zeitgleich, aber ansonsten völlig unverbunden mit der kommunalen Gleichstellungspolitik. Die Autorin betrachtet das kommunale Gleichstellungsprojekt selbst als Reformprozess und geht „von einer ‚Doppelstrategie’ in kommunalen Verwaltungen“ (IV) aus. Zudem geht es in beiden Reformen um die Neuverteilung von Ressourcen und insofern um Machtpolitik. Aus dieser Perspektive fragt Wiechmann nach dem Verhältnis und den wechselseitigen Wirkungen von Verwaltungsreform und Gleichstellungspolitik. Im Mittelpunkt ihrer organisationssoziologisch ausgerichteten Arbeit steht eine mikropolitische Analyse dieses doppelten Verteilungskampfes am Beispiel der Großstadtverwaltungen von Dortmund, München und Wuppertal. Für den Bereich der Verwaltungsmodernisierung geschieht dies entlang der drei wesentlichen und mehr oder weniger konflikthaften Reformbereiche Ökonomisierung (Dezentrale Ressourcenverantwortung), Kundenorientierung und neue Verwaltungskultur (Partizipation). Die Analyse der Gleichstellungspolitik als mikropolitischer Prozess umfasst die klassische Frauenförderung, die Männerförderung, Gender Mainstreaming, Gender Budgeting und das Instrument der Sprache. Im Ergebnis zeigen sich zum Teil ambivalente Rollen der untersuchten Akteursgruppen (Gleichstellungsbeauftragte, die beschäftigten Männer und Frauen, Personalvertretungen, Verwaltungsmanagement und Kommunalpolitik), neue Konfliktlinien zwischen und innerhalb der Genusgruppen sowie verschiedene „mikropolitische Spielvarianten auf dem Gleichstellungsfeld“ (142). Die Arbeit ist gut und nachvollziehbar strukturiert, kenntnisreich geschrieben und liest sich mit Gewinn. Ihr ist anzumerken, dass die Autorin in beiden Politikfeldern auf eine 15-jährige Forschungspraxis zurückblicken kann.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.36 | 2.325 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Elke Wiechmann: Gleichstellungspolitik als Machtspiel. Freiburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27295-gleichstellungspolitik-als-machtspiel_31955, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 31955 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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