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Politische Partizipation und Repräsentation in Brasilien: Eine Fallstudie zur Konsolidierung der neuen Demokratien in Lateinamerika

Silvana Krause

Politische Partizipation und Repräsentation in Brasilien: Eine Fallstudie zur Konsolidierung der neuen Demokratien in Lateinamerika

Online-Publikation 2006 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=982293151); 294 S.
Diss. Eichstätt-Ingolstadt; Gutachter: K. Schubert, H.-J. König. – Ein normativer Demokratiebegriff werde den Herausforderungen der lateinamerikanischen Gegenwart nicht gerecht, schreibt die Autorin. Sie legt ihrer Studie deshalb einen modernen Demokratiebegriff zugrunde, gestützt hauptsächlich auf den „Polyarchie“-Begriff von Robert Alan Dahl, ergänzt durch institutionelle Aspekte und solche der politischen Kultur. Krause arbeitet so mit einem offenen, empirischen Konzept, das sich einzig an den tatsächlichen Entwicklungen orientiert. Eine Beurteilung lateinamerikanischer Demokratien aus europäischer Perspektive und dem Maßstab folgend, was eigentlich an Demokratiemerkmalen idealtypisch vorhanden sein müsste, entfällt. Die Autorin hat vier Bereiche der politischen Partizipation und Repräsentation ausgewählt, um die Konsolidierung der Demokratie in ihrem Heimatland seit 1985 zu analysieren: Wahlpartizipation und Wahlsystem, Parteien und Parteiensystem, Regierungssystem und exekutive Gewalt, lokale und regionale Mächte. Für den letztgenannten Bereich hat sie als Fallbeispiel den Bundesstaat Goiás untersucht und dazu 202 Bürgermeister, die zwischen 1983 und 2000 amtierten, befragt. Zu ihren Ergebnissen gehört, dass die These, wonach das Überleben einer neuen Demokratie von einer gewissen sozioökonomischen Entwicklung abhänge, zu relativieren sei: Trotz Wirtschaftskrise sei die brasilianische Demokratie nicht zusammengebrochen. Allerdings hätten die schlechten sozioökonomischen Verhältnisse die Qualität der demokratischen Verfahren beeinträchtigt. Auch die politische Kultur determiniere nicht die Existenz formaler demokratischer Verfahren, präge aber deren Dynamik. „Eine politische Kultur kann sich in demokratischen wie autoritären politischen System erhalten.“ (439) Entsprechend habe sich in Lateinamerika der Präsidentialismus als Regierungssystem durchgesetzt. Allerdings seien als zentrale politische Akteure in Brasilien ferner die lokalen und regionalen Eliten zu nennen, sie spielten bei der Neugestaltung der politischen Verhältnisse eine gewichtige Rolle.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 2.21 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Silvana Krause: Politische Partizipation und Repräsentation in Brasilien: Eine Fallstudie zur Konsolidierung der neuen Demokratien in Lateinamerika 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27285-politische-partizipation-und-repraesentation-in-brasilien-eine-fallstudie-zur-konsolidierung-der-neuen-demokratien-in-lateinamerika_31943, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 31943 Rezension drucken

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