Portal für Politikwissenschaft

Die Organisation japanischer Parteien

Patrick Köllner

Die Organisation japanischer Parteien. Entstehung, Wandel und Auswirkungen formaler und informeller Institutionen

Hamburg: Institut für Asienkunde 2006 (Mitteilungen des Instituts für Asienkunde 390); 262 S.; 26,- €; ISBN 978-3-88910-320-8
Politikwiss. Habilitationsschrift Trier; Gutachter: S. Heilmann, H. Gössmann, H. W. Maull, J. Schild, W. Thaa. – Auf der Basis eines neo-institutionalistischen Ansatzes untersucht Köllner die Wechselbeziehungen zwischen formalen und informellen Institutionen in japanischen Parteien. Dazu erläutert er zunächst die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der wichtigsten Parteien. Danach stellt er deren formale Organisationsstruktur sowie wichtige informelle Institutionen dar. Dabei geht es insbesondere um innerparteiliche Machtgruppen, die sogenannten „habatsu“ (Faktionen), die aus der Liberaldemokratischen Partei sehr bekannt sind. In ihr kämpfen traditionell teilweise jahrzehntealte Faktionen um die Macht. Informelle Strukturen spielen also eine große Rolle. Die LDP hat in vielerlei Hinsicht eher den Charakter eines Netzwerks. Mitgliederparteien wie die Kōmeitō oder die Kommunistische Partei zeichnen sich hingegen durch klarere Strukturen aus. Köllner analysiert die wichtigsten innerparteilichen Machtgruppen, Unterstützerorganisationen von Abgeordneten und ihre Funktionen in den jeweiligen Parteien. Insbesondere die persönlichen Unterstützergruppen und die Interessengruppen üben dabei einen aus demokratietheoretischer Sicht bedenklichen Einfluss aus. Köllner weist jedoch auch darauf hin, dass durch Unterstützergruppen der Zugang zu Abgeordneten erleichtert wird. Sie hätten durchaus eine „pluralisierende Wirkung auf das politische System“ (210). Auch die Auswirkungen der politischen Reformen des Jahres 1994, als unter anderem das Wahlrecht und die Parteienfinanzierung geändert wurden, bewertet Köllner ambivalent. Der Wandel formaler Rahmenbedingungen habe sich durchaus auf informelle Institutionen ausgewirkt. Die Faktionen hätten an Macht eingebüßt, aber die persönlichen Unterstützerorganisationen spielten weiter eine wichtige Rolle. Ob die Beharrungskräfte des alten Systems sich durchsetzen könnten, sei noch offen. Informelle Institutionen könnten mithin Wandlungsprozesse, die durch Änderungen formaler Bedingungen angestoßen werden, deutlich behindern.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Patrick Köllner: Die Organisation japanischer Parteien. Hamburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26994-die-organisation-japanischer-parteien_31507, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31507 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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