Portal für Politikwissenschaft

Albert Schulz (1895-1974)

Meik Woyke

Albert Schulz (1895-1974) Ein sozialdemokratischer Regionalpolitiker. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2006 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 73); 336 S.; hardc., 28,- €; ISBN 978-3-8012-4166-7
Geschichtswiss. Diss. Hamburg; Gutachter: B. Vogel, A. Schildt. – Mit Schulz „gerät ein Sozialdemokrat aus der zweiten Reihe in den Blick, was Einsichten über die Mühen der Parteiarbeit auf regionaler Ebene verspricht“ (20), schreibt Woyke. Dieser Blick auf die Regionalpolitik ist verschränkt mit anderen Perspektiven: Schulz erlebte fünf politische Systeme und damit ebenso viele politische Kulturen. Chronologisch beschreibt Woyke die Biografie des Politikers, der im Kaiserreich in einer sozialdemokratisch geprägten Umgebung aufwuchs, erste Funktionen in der Arbeiterjugend übernahm, während der Weimarer Zeit in Mecklenburg politisch aktiv war und zwischen „marxistische[r] Phraseologie und konstruktive[r] Reformpolitik“ (54) keinen Widerspruch sah. Nach dem Krieg wurde er Oberbürgermeister von Rostock und anlässlich einer Besichtigungstour von englischen und amerikanischen Journalisten von der Besatzungsmacht aus der Stadt komplimentiert, Schulz galt den Kommunisten als zu kritisch. Woyke nimmt in seine Darstellung ausdrücklich nicht nur dessen individuelle Erfahrungen auf, sondern bezieht „strukturelle und generationelle Aspekte“ (15) ein, unter anderem durch Berücksichtigung der arrivierteren SPD-Politiker Carl Moltmann und Wilhelm Höcker, die ihre Karrieren in der SED fortzusetzen versuchten. Schulz aber flüchtete 1949 in den Westen, wurde mit Unterstützung von Wehner Sekretär der SPD-Bundestagsabgeordneten für Hamburg und schließlich leitender Bezirkssekretär seiner Partei in Schleswig-Holstein. Woyke beschreibt ausgehend von Schulz ein Stück der sozialdemokratischen Geschichte und vor allem des Wandels, den diese Partei durchlebte – in Anpassung an sich verändernde Zeiten und veränderte politische Rahmenbedingungen. Schulz sei am Ende seiner parteipolitischen Laufbahn zwar nicht verbohrt gewesen, schreibt er, aber mit seinen Ansichten „tief in den Traditionen der Arbeiterbewegung verwurzelt“ (307). In der Bundesrepublik der sechziger Jahre häuften sich die Konflikte mit den Jüngeren und „auch deshalb wurde es Zeit, die Verantwortung anderen Genossen zu übergeben“ (307).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.31 | 2.331 | 2.325 | 2.313 | 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Meik Woyke: Albert Schulz (1895-1974) Bonn: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26733-albert-schulz-1895-1974_31185, veröffentlicht am 03.04.2008. Buch-Nr.: 31185 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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