Portal für Politikwissenschaft

Kyoto Plus

Lutz Wicke / Peter Spiegel / Inga Wicke-Thüs

Kyoto Plus. So gelingt die Klimawende. Nachhaltige Energieversorgung PLUS globale Gerechtigkeit. Ein Report an die Global Marshall Plan Initiative. Mit einem Vorwort von Klaus Töpfer

München: C. H. Beck 2006; 251 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-406-55127-7
Klimapolitik ist für die Autoren kein ökonomisches Problem, aber wirtschaftliche Anreize halten sie für den Schlüssel zu einer klimapolitischen Erneuerung. Sie fühlen sich unseren Nachfolgegenerationen ethisch ebenso verpflichtet wie dem Konzept globaler Gerechtigkeit in der Gegenwart. Komplizierte Verträge, die noch dazu nicht von allen unterstützt würden, reichten nicht aus, um dem Klimawandel entgegenzusteuern. Internationale Vereinbarungen müssen nach ihrer Meinung auf marktwirtschaftliche Anreize setzen, für die erwünschten Investitionen der Wirtschaft dauerhafte Rentabilität sichern, dem Prinzip globaler Gerechtigkeit folgen, sehr eng mit der Bekämpfung der Armut verschränkt sein und schließlich einfach und unbürokratisch funktionieren. Zu diesem Zweck wollen die Autoren ein globales Zertifikatssystem zum Handel mit Rechten zum Kohlendioxid-Ausstoß einrichten. Die Emissionsrechte sollen direkt an die Bevölkerungszahl in einem bestimmten Basisjahr gekoppelt sein und schon bei den Rohstoffimporteuren bzw. Produzenten von Rohstoffen ansetzen. Diese würden die Preise an die Konsumenten weitergeben, sodass das Verhalten der Endverbraucher mit marktwirtschaftlichen Methoden beeinflusst würde. Das Ganze soll vom Prinzip der Klimagerechtigkeit getragen und von einem „Ökosozialen Marshallplan“ zur Armutsbekämpfung, finanziert aus dem globalen Klimazertifikatssystem, unterstützt werden. So wollen die Autoren verhindern, dass die Atmosphäre als kostenlose Klimamülldeponie missbraucht wird. Gleichzeitig sollen regenerative Energien sowie klimaeffiziente Technologien gefördert werden. Allerdings beweisen die Autoren in dieser Hinsicht unverständlichen Kleinmut. Es sei „klimapolitisch kontraproduktiv und eigentlich unverantwortlich, bestehende, noch über Jahre definitiv sichere Kernkraftwerke vorzeitig aus der Stromerzeugung herauszunehmen“ (117). Davon abgesehen ist das Konzept jedoch detailliert und durchdacht. Angesichts der derzeitigen Interessengegensätze braucht man aber eine gehörige Portion Optimismus, um an seine Realisierung zu glauben.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.45 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Lutz Wicke / Peter Spiegel / Inga Wicke-Thüs: Kyoto Plus. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26470-kyoto-plus_30851, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 30851 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...