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Handbuch deutscher Rechtsextremismus

Jens Mecklenburg (Hrsg.)

Handbuch deutscher Rechtsextremismus

Berlin: Elefanten Press 1996; 1052 S.; geb., 68,- DM; ISBN 3-88520-585-8
In 35 Beiträgen und einem umfangreichen Lexikonteil bemüht sich das Handbuch um die Darstellung, Analyse und theoretische Einordnung des Rechtsextremismus und seiner Erscheinungsformen in Deutschland. Der Bandbreite der behandelten Themen, die von Erklärungsmodellen über Ideologien, Organisationen und die soziale Basis bis hin zu speziellen Fragen wie der Nutzung neuer Medien durch Neonazis reichen, entspricht die Vielfalt der Autoren aus der Publizistik und Wissenschaft. So begrüßenswert die intendierte Pluralität der Zugänge zum Thema und der Perspektiven ist, so sehr ist zu bedauern, daß einige Themen eine höchst einseitige Darstellung erfahren wie etwa die Faschismustheorien in dem Beitrag von Kühnl oder die Vertriebenenverbände in dem der PDS-Politikerin Jelpke. Insgesamt fällt eine sehr weite Auslegung des Rechtsextremismusbegriffes und seine Anwendung auf nur vage damit verknüpfte Bereiche auf. Durch seinen Handbuchcharakter und aufgrund der Behandlung auch von Randthemen der Forschung stellt der Band dennoch einen willkommenen Beitrag zur Diskussion des facettenreichen Phänomens "Rechtsextremismus" dar. Aus dem Inhalt: A Grundlagen: Ralph Giordano: Die unbewältigte Vergangenheit. Zur Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik (13-30); Reinhard Kühnl: Faschismus – Antifaschismus. Theorien über den Faschismus (31-54); Reinhard Kühnl: Gesellschaftliche Grundlagen und Ideologie des deutschen Faschismus (55-71); Markus Birzer: Rechtsextremismus – Definitionsmerkmale und Erklärungsansätze (72-83); Helmut Fröchling: Die ideologischen Grundlagen des Rechtsextremismus. Grundstrukturen rechtsextremistischer Weltanschauung (84-123); Reinhard Kühnl: Die Entwicklung der extremen Rechten seit 1945. Ursachen – Etappen – Gegenstrategien (124-143). B Lexikon – Deutschland rechtsaußen (145-547). C Vertiefungen: Wolfgang Gessenharter / Helmut Fröchling: Neue Rechte und Rechtsextremismus in Deutschland (550-571); Klaus Maler: Das Netzwerk der militanten Neonazis (572-594); Klaus Maler: Exkurs: Die NS-Nachkriegsnetze (595-615); Bernd Siegler: Rechtsextremismus in der DDR und den neuen Ländern (616-638); Klaus Zellhofer: Die Briefbombenwelle in Österreich (639-651); Klaus Zellhofer: Die österreichischen Zweigstellen des deutschen Rechtsextremismus (652-665); Fabian Virchow: "...über die Trümmer der KZ-Gedenkstätten". Von Auschwitzleugnern und anderen Geschichtsfälschern (666-691); Juliane Wetzel: Antisemitismus. Ideologische Grundlage und Bindeglied des Rechtsextremismus (692-708); Andreas Speit: Esoterik und Neuheidentum. Historische Allianzen und aktuelle Tendenzen (709-732); Anton Pelinka: Männlich, männlicher, (neo)nazistisch. Organisierter Rechtsextremismus und Männerbündelei (733-742); FANTIFA Marburg: Kameradinnen (743-754); Christoph Butterwege: Rechtsextremismus bei Jugendlichen. Politisch-kulturelle Sozialisation, Aggression und Gewalt (755-766); Ruud Koopmans: Soziale Bewegung von rechts? Zur Bewegungsförmigkeit rechtsradikaler und ausländerfeindlicher Mobilisierung in Deutschland (767-781); Jörg Weltzer: Skinheads, Nazi-Skins und rechte Subkultur (782-791); Bernd Siegler: Rechtsextremismus und Wahlverhalten (792-801); Dirk Kretschmer / Siegfried Jäger: Von Irren, Chaoten und Fanatikern. Rechtsextremismus und Rassismus in den Medien (802-822); Charlotte Wiedemann: Die Themen der Rechten sind die Themen der Mitte (823-836); Rolf Gössner: Zwischen Verharmlosung und Überreaktion. Zum polizeilichen und justitiellen Umgang mit rechter Gewalt und Neonazismus (837-864); Dietrich Heither / Gerhard Schäfer: Studentenverbindungen zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus (865-884); Ulla Jelpke / Helmut Schröder: Der Bund der Vertriebenen. Für ein Deutschland in den Grenzen von 1937, 1938, 1939 ... (885-900); Ralf Ptak: Wirtschaftspolitik und die extreme Rechte. Betrachtungen zu einer wenig behandelten Frage (901-922); Martin Dietzsch / Anton Maegerle: Digitales Braun. Die Nutzung Neuer Medien durch Neonazis (923-932). D Anhang (934-1052).
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.37 | 2.331 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch deutscher Rechtsextremismus Berlin: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/2471-handbuch-deutscher-rechtsextremismus_3177, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 3177 Rezension drucken

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