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Krise der Ökonomie – Krise der Hegemonie?

Christian Gaedt (Hrsg.)

Krise der Ökonomie – Krise der Hegemonie? Die Überlebenskunst des Kapitalismus

Hamburg: LAIKA Verlag 2013 (LAIKAtheorie); 127 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-942281-50-8
Auch die aktuelle Wirtschaftskrise scheint der Hegemonie des Kapitalismus nichts anhaben zu können. Erklärungsansätze dafür wurden 2011 auf den fünften Braunschweiger‑Gramsci‑Tagen diskutiert und sind nun von Organisator Christian Gaedt in Form von vier ausgewählten Beiträgen als Tagungsband herausgegeben worden. Das zentrale Anliegen der Autoren besteht in einer Verknüpfung von differenzierten Analysen der Dynamik des Kapitalismus und der kulturellen Mechanismen, die diese Dynamik begleiten. Es handelt sich um eine erneute Wendung des lange bekannten Problems, dass Krisen eines ökonomischen Systems eben nicht notwendigerweise in die Schaffung eines neuen Systems münden müssen. Offenbar kann es in Gesellschaften Kräfte geben, die auch im Moment der ökonomischen Schwäche mit politischen oder kulturellen Mitteln ihre Vorherrschaft sicherstellen können. In der Theoriesprache mündet dieses Problem heute in den Schlagwörtern Ökonomie‑ und Hegemoniekritik. Namentlich werden vor allem Rosa Luxemburg und Antonio Gramsci mit diesem Ansatz verbunden. Die Autoren dieses Bandes widerstehen der Versuchung, sich in die theorie‑historischen Hintergründe dieser Personen zu verwickeln. Sie überzeugen stattdessen mit einer Diskussion der Mechanik der herrschenden kapitalistischen Kultur, die vom starken Drang zur tatsächlichen Überwindung derselben begleitet werde. Wolfgang Fritz Haug erklärt dazu im ersten Teil, inwiefern linke Politik sich einen neuen Begriff von Hegemonie erarbeiten muss, um der Überlebenskunst des Kapitalismus auf die Spur zu kommen. Den Schwerpunkt bildet dann im zweiten Teil die Diskussion von Klaus Dörres Landnahme‑Theorie und Peter Weiss‘ Ästhetik des Widerstands. Beide haben mitunter sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage, mit welchen Mitteln linke Politik der ungebrochenen Hegemonie des Kapitalismus gegenübertreten könnte. Aufgrund seines geringen Umfanges eignet sich das Buch vor allem für Einsteiger in das Feld der kritischen politischen Ökonomie, die sich für Theorien mit stark normativer Neigung interessieren.
Florian Geisler, B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.2 | 5.45 | 5.33 | 5.46 | 5.42 Empfohlene Zitierweise: Florian Geisler, Rezension zu: Christian Gaedt (Hrsg.): Krise der Ökonomie – Krise der Hegemonie? Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/245-krise-der-oekonomie--krise-der-hegemonie_43784, veröffentlicht am 30.05.2013. Buch-Nr.: 43784 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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