Portal für Politikwissenschaft

Die chinesische Stadt im Transformationsprozess

Christian Wuttke

Die chinesische Stadt im Transformationsprozess. Governanceformen und Mechanismen institutionellen Wandels am Beispiel des Perlflussdeltas

Berlin: edition sigma 2012; 202 S.; kart., 36,90 €; ISBN 978-3-8360-1109-9
Diss. Osnabrück; Begutachtung: B. Klagge, J. Deiters. – Christian Wuttke setzt in seiner erhellenden Dissertation dort an, wo im China der Gegenwart Geschichte geschrieben wird: auf der lokalen Ebene. Er untersucht ganz konkret, mit welchen Problemen Städte im Verlauf der marktwirtschaftlichen Öffnung bisher konfrontiert und welche Strategien räumlicher Entwicklungen verfolgt wurden. Diese Analyse versteht er als einen Beitrag zur Institutionenforschung und zum Urban-Governance-Konzept. Nach einer Erörterung des Neuen Institutionalismus und der Governance geht Wuttke seinen Fragen an drei Fallbeispielen nach, die im wirtschaftlich bedeutsamen Perlflussdelta liegen: die Kreisstadt Shunde (mittlerweile eingemeindet), Shenzhen (die Region erlangte als Sonderwirtschaftszone Bedeutung) und die Provinzhauptstadt Guangzhou (die als sogenannte offene Küstenstadt besondere Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung hatte). Angesichts der Dynamik des chinesischen Transformationsprozesses können eigentlich nur Momentaufnahmen festgehalten werden, deutlich werden dennoch einige grundsätzliche Vorgehensweisen, die bei einer Betrachtung der nationalen Ebene gar nicht in den Blick geraten würden. So arbeitet Wuttke die Dezentralisierung und Fragmentierung des Staates heraus, die es erlauben, Reformen in klar umgrenzten lokalen Räumen auszuprobieren, ohne damit die Strukturen und vor allem die Macht der Kommunistischen Partei insgesamt infrage zu stellen. Auffällig sind ein Neben- und Miteinander von Planwirtschaft und freier Marktwirtschaft sowie gesplittete Verantwortlichkeiten der Behörden, die, kommen sie mit ihren direkten Vorgesetzten nicht klar, auf der nächst höheren Verwaltungsebene die Zustimmung für ihre Planungen und Gesetze (die teilweise lokal bzw. regional erlassen werden dürfen) einholen. Deutlich wird allerdings auch, wie sehr die lokalen Behörden von der marktwirtschaftlichen Öffnung teilweise überrollt wurden und wie sie nun versuchen, eine ordentliche Stadtplanung auf die Beine zu stellen. Einzig wünschenswert wäre noch gewesen, etwa im Anhang zumindest einige der Interviews, die Wuttke bei seinen Forschungsaufenthalten im Perlflussdelta führte, nachlesen zu können – eher aus Neugierde, denn die Erkenntnisse selbst sind gut aufgearbeitet.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Christian Wuttke: Die chinesische Stadt im Transformationsprozess. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21967-die-chinesische-stadt-im-transformationsprozess_43022, veröffentlicht am 07.02.2013. Buch-Nr.: 43022 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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