Portal für Politikwissenschaft

Der Staat und die Soziale Arbeit

Eric Mührel (Hrsg.)

Der Staat und die Soziale Arbeit. Bestandsaufnahme und Perspektiven eines fragwürdigen Verhältnisses

Essen: Die Blaue Eule 2010 (Sozialpädagogik und Soziale Arbeit in der Blauen Eule 18); 140 S.; 19,- €; ISBN 978-3-89924-289-8
Die Autoren thematisieren das Verhältnis von Staat und sozialer Arbeit aus verschiedenen Perspektiven. Eric Mührel begreift den Nationalstaat trotz der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise nach wie vor als Garant einer gesicherten und sozial gerechten Ordnung. Ausgangspunkt ist für ihn in diesem Zusammenhang der sogenannte Dritte Weg, den Tony Blair und Gerhardt Schröder in ihrem gemeinsamen Papier im Jahr 1999 propagierten. Dabei wiesen sie dem Staat sowohl die Rolle des Partners der Bürgerinnen und Bürger als auch der gesellschaftlichen Kräfte und der Wirtschaft zu. Die mit diesem Konzept verbundene Vorstellung eines schlanken Staates empfindet Mührel aufgrund des Scheiterns neoliberaler Ansätze zwar inzwischen als überholt, ist aber überzeugt davon, dass es weiterhin in den Köpfen der politisch Verantwortlichen steckt. Heinz Burghardt erörtert in seinem Beitrag die Situation der sozialen Arbeit in Bezug zur aktuellen Rechtslage. Dabei stellt er fest, dass die Sozialstaatlichkeit im Grundgesetz im Gegensatz zu den Länderverfassungen nicht ausformuliert sei, sondern im Wesentlichen im Sozialstaatsgebot des Artikels 20 postuliert werde. Er zieht aus der Analyse schließlich den Schluss, dass es sowohl mit dem „grundrechtlichen Denken wie mit der Profession Soziale Arbeit unvereinbar [ist], Gesellschaft als ein bloß zweckorientiertes, funktionierendes System vorzustellen“ (35). Bernd Birgmeier nimmt eine sozialpädagogische Position ein und betont die Idee der Humanität als normatives Leitprinzip von Gesellschaft und Politik, das seinen Ausdruck in einem der Würde des Menschen entsprechenden Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen finde. Damit verbunden sei die Forderung nach einem Rechts- und Sozialsystem, das von der gegenseitigen Anerkennung der Menschen als Wesen gleicher Würde bestimmt sei. Die Beiträge des Bandes resultieren aus dem Forschungskolloquium „Soziale Arbeit“ vom 6. November 2009 an der Fachhochschule Emden-Leer.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.342 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Eric Mührel (Hrsg.): Der Staat und die Soziale Arbeit. Essen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21723-der-staat-und-die-soziale-arbeit_38679, veröffentlicht am 02.08.2010. Buch-Nr.: 38679 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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