Portal für Politikwissenschaft

Religion in Politik und Gesellschaft

Johannes Varwick / Stefan Schieren (Hrsg.)

Religion in Politik und Gesellschaft. Eine Einführung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2013 (uni studien politik 51); 127 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-89974837-6
Eine einführende Darstellung der unterschiedlichen Facetten im Verhältnis von Politik und Religion kann angesichts der vielen religionspolitischen Konflikte auf nationaler, europäischer und globaler Ebene nur begrüßt werden. Die ersten drei Beiträge des Bandes sind dem Thema innerhalb Deutschlands gewidmet. Hermann‑Josef Große Kracht skizziert die historische Entwicklung von Religion und Politik mit dem Schwerpunkt auf den Differenzierungsprozessen und zeigt dabei die bis in die heutige Zeit bestehenden Verbindungen zwischen Politik und Religion auf, wie sie sich gerade in einigen Verfassungen der Bundesländer zeigen. Der Autor sieht darin eine „fortbestehende demokratietheoretische Unsicherheit“ (25), da der Staat weiterhin auf religiöse Legitimationsstrategien vertraue. Nötig sei dagegen ein pluralitätskompatibles modernes Religionsverfassungsrecht, in dem sich der Einfluss der Religionen auf die Zivilgesellschaft beschränke und der Staat alle religiösen Bekenntnisse gleichermaßen fördere. Dagegen wird in dem Beitrag von Esnaf Begi? und Bülent Ucar der Meinung widersprochen, dass das deutsche Staatskirchenrecht reformiert werden müsste, weil es zum Beispiel den Islam nicht integrieren könne. Sie argumentieren, dass der Islam durchaus die Fähigkeit besitze, sich den institutionellen Anforderungen des Staatskirchenrechts entsprechend zu organisieren. Insofern sei eine Integration des Islam in Form einer rechtlichen Anerkennung möglich und nötig. Nachdem in dem Beitrag von Karl Gabriel die Bedeutung des Christentums und der Kirchen für die Sozialkultur der Bundesrepublik mit der These analysiert wird, dass die Kirchen auch in Zukunft noch ein relevanter Faktor im Bereich des sozialen Engagements bleiben, beleuchtet Christof Mandry den Beitrag der Religionsgemeinschaften zum europäischen Wertediskurs, in dem ein Ringen um das Selbstverständnis Europas stattfinde. Im letzten Beitrag analysiert Andreas Hasenclever das Gewalt‑ und Friedenspotenzial von Religionen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass religiöse Differenzen politische Konflikte in der Tat verschärfen können, gerade wenn sie von gewaltbereiten Eliten instrumentalisiert werden. Gleichzeitig tragen religiöse Akteure seiner Meinung nach jedoch auch wesentlich dazu bei, Konflikte konstruktiv zu bearbeiten.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.31 | 3.1 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Johannes Varwick / Stefan Schieren (Hrsg.): Religion in Politik und Gesellschaft. Schwalbach/Ts.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21685-religion-in-politik-und-gesellschaft_43403, veröffentlicht am 28.03.2013. Buch-Nr.: 43403 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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