Portal für Politikwissenschaft

Die Union für das Mittelmeer

Benjamin Heese

Die Union für das Mittelmeer. Zwei Schritte vor, einen zurück?

Berlin: Lit 2009 (Region – Nation – Europa 59); 93 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-643-10262-1
Verwaltungswiss. Diplomarbeit Potsdam; Gutachter: H. Kleger. – Die EU hat ihre Beziehungen zu den südlichen Mittelmeerstaaten im Barcelona-Prozess 1995 als Euro-Mediterrane Partnerschaft (EMP) offiziell formuliert. Obwohl in den vier Bereichen Politik und Sicherheit, Wirtschaft und Finanzen, Soziales, Bildung und Kultur sowie Migration, Integration und Justiz Kooperation angestrebt wird, liegt der Schwerpunkt auf der Wirtschaftspolitik. Hier beabsichtigt die EU, den Mittelmeerstaaten einen erleichterten Zugang zum Binnenmarkt zu gewähren sowie eine euro-mediterrane Freihandelszone einzurichten, in der Hoffnung, Armut und Arbeitslosigkeit und somit Migrationsbestrebungen zu reduzieren. Die Mittelmeeranrainer erwarten von der EU im Rahmen der EMP Engagement zur Lösung des Nahostkonflikts, da sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde zu den insgesamt 43 Teilnehmerstaaten gehören. Als problematisch betrachtet der Autor die asymmetrischen Beziehungen zwischen der EU und den Mittelmeerstaaten, da die EMP in Brüssel meist ohne Beteiligung der betreffenden Staaten ausgehandelt worden sei. Eine neue Initiative, die Mittelmeerunion, wurde 2008 von Frankreich parallel zur EMP angestoßen. Hier steht neben politischen Reformen, Demokratisierung, der Respektierung der Menschenrechte der Abbau von Handelshemmnissen im Vordergrund. Eine nachhaltige Energieversorgung soll gefördert werden, z. B. durch einen ursprünglich deutschen Mittelmeersolarplan. Geplant ist ferner, die digitale Kluft zwischen den Mittelmeerufern durch Kooperationsprojekte im Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu überwinden. Die Implementation der politischen Programme verlaufe jedoch schleppend, wofür der Autor primär Strukturschwächen der Mittelmeerunion, wie die Heterogenität und die große Anzahl der teilnehmenden Staaten mit partiell autoritären Regimen verantwortlich macht.
Marianne Bleckmann (MBL)
Studentin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.6 | 2.63 | 2.67 | 4.22 Empfohlene Zitierweise: Marianne Bleckmann, Rezension zu: Benjamin Heese: Die Union für das Mittelmeer. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21615-die-union-fuer-das-mittelmeer_37892, veröffentlicht am 28.04.2010. Buch-Nr.: 37892 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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