Portal für Politikwissenschaft

Gerd Schultze-Rhonhof

1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte. Der lange Anlauf zum Zweiten Weltkrieg

München: Olzog 2003; 565 S.; 2., durchges. Aufl.; hardc., 34,- €; ISBN 3-7892-8117-4
Der Autor will die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs in einer seiner Meinung nach unvoreingenommenen Weise untersuchen. Die zentrale These des Buches lautet, dass Hitler – unabhängig von einer verbrecherischen Politik innerhalb Deutschlands – bis 1939 eine Außenpolitik betrieben habe, die entweder moralisch gerechtfertigt gewesen sei oder aber zumindest in ihrer moralischen Verwerflichkeit der der übrigen europäischen Mächte in nichts nachgestanden habe. Folglich lenkt er den Blick auf das mitunter moralisch problematische Verhalten der Westmächte und Polens vor dem Zweiten Weltkrieg, unterschlägt jedoch die expansionistische deutsche Außenpolitik. Die zum Beleg seiner These herangezogenen historischen Sachverhalte sind in höchstem Maße selektiv. Auch aufgrund der oft ungesicherten, aber mit Bestimmtheit vorgetragenen Behauptungen verlässt das Werk den Boden der Seriosität und gipfelt letztlich in einer glatten Umkehrung der Kriegsschuld in Richtung Polens und der Westmächte. Wes Geistes Kind der Autor ist, offenbart sich endgültig, wenn er zum Beispiel – in den Formulierungen freilich die strafrechtlich relevante Grenze geschickt achtend - die Reichskristallnacht als Produkt eines gerechtfertigten deutschen Volkszorns hinstellt oder in einer hochgradig verengten historischen Perspektive damalige deutsche Gebietsansprüche vom Elsaß bis nach Litauen nachträglich legitimiert.
Christian Becker (BEC)
Dr. rer. pol.
Rubrizierung: 4.1 | 4.2 | 2.61 | 2.62 | 2.311 | 2.312 Empfohlene Zitierweise: Christian Becker, Rezension zu: Gerd Schultze-Rhonhof: 1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/19410-1939---der-krieg-der-viele-vaeter-hatte_22563, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22563 Rezension drucken

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