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Rechtsextremismus Jugendlicher in der DDR und in den neuen Bundesländern von 1982-1998

Britta Bugiel

Rechtsextremismus Jugendlicher in der DDR und in den neuen Bundesländern von 1982-1998

Münster: Lit 2002 (Medien & Politik 21); 377 S.; brosch., 25,90 €; ISBN 3-8258-6155-4
Die Autorin will die Genese des unter ostdeutschen Jugendlichen grassierenden Rechtsextremismus erklären. Dabei greift sie einerseits auf empirische Untersuchungen vorwiegend aus den ersten Jahren nach der deutschen Vereinigung zurück, andererseits stützt sie sich auf zahlreiche Experteninterviews. Ihr vorrangiges Ziel ist es, die „Fixierung auf Erklärungsansätze, die die Ursachen ausschließlich in der Wiedervereinigung" (11) sehen, zu überwinden. Dazu bezieht sie Prägungen und Erfahrungen aus der Spätphase der DDR mit ein. Aus diesem Grund erstreckt sich der Untersuchungszeitraum je zur Hälfte auf die Zeit der SED-Herrschaft (1982-1989) und die Zeit des vereinten Deutschlands (1990-1998). Anhand von Zeitzeugengesprächen und durch die Analyse von Stasi-Akten wird zunächst die Existenz eines jugendlichen Rechtsextremismus bereits zu DDR-Zeiten nachgewiesen. In einem zweiten Schritt arbeitet Bugiel die Prägungen durch die DDR-Sozialisation und die Politik des SED-Regimes als wichtige Quellen rechtsextremen Denkens und Handelns von Jugendlichen in den neuen Ländern heraus. Im Einzelnen werden etwa der verordnete Antifaschismus, die restriktive Ausländerpolitik der DDR und eine Entpolitisierung der Jugendlichen in den späten 80er-Jahren mit ihren Langzeitwirkungen angeführt. Die Untersuchung mündet in einer "'Sowohl-als-auch-These'" (335), derzufolge der Rechtsextremismus Jugendlicher in den neuen Bundesländern sowohl auf Faktoren basiert, die auf die DDR-Zeit zurückgehen, als auch einigungsbedingte Ursachen hat. Wie sich beide Erklärungsfaktoren zueinander verhalten, welche kausalen Zusammenhänge bestehen, darüber erfährt der Leser freilich wenig. Die Studie weist zwar ein wichtiges Forschungsanliegen und ein interessantes Untersuchungsdesign auf, lässt aber die wesentlichen Fragen unbeantwortet.
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.372.3142.315 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Britta Bugiel: Rechtsextremismus Jugendlicher in der DDR und in den neuen Bundesländern von 1982-1998 Münster: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/18780-rechtsextremismus-jugendlicher-in-der-ddr-und-in-den-neuen-bundeslaendern-von-1982-1998_21786, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21786 Rezension drucken

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