Portal für Politikwissenschaft

Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare

Guntolf Herzberg / Kurt Seifert

Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare. Eine Biographie

Berlin: Ch. Links Verlag 2002; 656 S.; geb., 29,90 €; ISBN 3-86153-270-0
Den Weg Bahros "vom gläubigen Leninisten zum spirituellen Kritiker der Moderne" (582) schildern Herzberg, der am Institut für Philosophie der HU Berlin arbeitet und Bahro persönlich kannte, und Seifert, der Bahro einst interviewte und heute Mitarbeiter einer privaten Schweizer Altenhilfsorganisation ist. In Teil I (1935-1979) beschreibt Herzberg Bahro als jemanden, für den die Welt in zwei Teile zerfallen sei: in das gute sozialistische Lager und in das böse imperialistische. Bahro habe sich eindeutig als Kommunist verstanden, der mit seinem Buch "Die Alternative" die kritische Intelligenz in der DDR habe ansprechen wollen, in der Absicht, das System zu verbessern. Es folgten Haft und Ausreise. In Teil II (1979-1989) schildert Seifert Bahros westdeutsche Zeit, in die nicht nur sein Engagement bei den Grünen und sein Parteiaustritt gehören. Bahro reiste 1981 nach Nordkorea und war tatsächlich geneigt, die Diktatur dort zu rechtfertigen. Außerdem besuchte er Bhagwan, was offensichtlich nicht ohne Folgen für sein Denken blieb. Teil III (1989-1997) haben die Autoren gemeinsam verfasst, neben allerlei Privatem werden die Versuche Bahros wiedergegeben, etwas von seinen Ideen auch zu leben. Die Autoren schildern Bahro als Menschen "ohne Einfühlungsvermögen und ohne die Spur einer selbstkritischen Prüfung" (51), der sich gegen Ende seines Lebens, unter anderem mit dem Schlagwort von der eher geforderten denn gefürchteten "Ökodiktatur" (422), politisch zwischen alle Stühle gesetzt habe. Diese Biografie ist insgesamt zu ausführlich geraten, im ersten Teil ist der Text zudem mit vielen langen Zitaten aus MfS-Unterlagen belastet. Sollte man die Stasi heute so stark das Bild von Bahro prägen lassen? Auch schildern die Autoren, die sich immer wieder selbst in den Vordergrund drängen, sehr ausgiebig die Milieus, in denen sich Bahro bewegt hat. Zu vieles wird erwähnt, was nichts mit ihm direkt zu tun hat. Stark gekürzt wäre diese Biografie sicher lesbarer.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.313 | 2.314 | 2.315 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Guntolf Herzberg / Kurt Seifert: Rudolf Bahro - Glaube an das Veränderbare. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/17207-rudolf-bahro---glaube-an-das-veraenderbare_19799, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19799 Rezension drucken

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