Portal für Politikwissenschaft

Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit im Internet

Klaus Plake / Daniel Jansen / Birgit Schuhmacher

Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit im Internet. Politische Potenziale der Medienentwicklung

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001; 200 S.; brosch., 21,47 €; ISBN 3-531-13673-9
Medien besitzen fundamentale Bedeutung bei der Konstitution von Publizität und nehmen darüber hinaus Einfluss auf Werte und Normen der Menschen, auf ihr Zusammenleben und auf die Gestaltung der Lebenswelt. Das Internet hat nach seiner Entwicklung zu einem Massenmedium auf diese Konstitutionsprozesse maßgeblichen Einfluss gewonnen. Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit unterliegen nun einem Wandel, der Politikwissenschaftler, Soziologen und Kommunikationswissenschaftler zwingt, ihre Konzepte von Öffentlichkeit in einen neuen Kontext zu setzen - so die Autoren dieses Bandes -, der die Frage nach der Konstitution von Politik im digitalen Zeitalter zum Thema hat. Die ersten Impressionen dieses Wandels sind mannigfaltig: der Zivilgesellschaft werden neue Chancen und Möglichkeiten zugeschrieben, der öffentliche Diskurs als zugänglicher und von Partikularinteressen befreit erfahren. Auf der anderen Seite vollziehen sich Entwicklungen, unter denen Gegenöffentlichkeit zu einer Bedrohung wachsen kann: Die Möglichkeiten zur Kontrolle von Inhalten sowie die Verantwortlichkeit für Inhalte nimmt ab, während die Manipulierbarkeit von Informationen zunimmt (10). Die Autoren fragen, wie sich Öffentlichkeit in der Zukunft entwickeln wird und welchen Einfluss computervermittelte Kommunikation auf die Bildung der öffentlichen Meinung nehmen wird. "Ausgangspunkt unserer Analyse ist eine Konzeption von Öffentlichkeit, die mit der Unterscheidung zwischen 'Forum' und 'Arena' die Möglichkeiten der traditionellen und der neueren Medien sowie das gegenseitige Verhältnis dieser Kommunikationsarten bei der Konstituierung von Öffentlichkeit absteckt. Es geht also um nicht weniger als den Entwurf eines kommunikationswissenschaftlichen Rahmens, der die demokratietheoretische Verortung der Onlinekommunikation gestattet. Die Verfasser wollen in diesem Kontext auch die Öffentlichkeitsbegriffe von Jürgen Habermas und Niklas Luhmann rekonstruieren, um die Tragfähigkeit dieser Konstrukte für die mit der Digitalisierung sich abzeichnenden Entwicklungen zu überprüfen." (11) Neben der Analyse der Internetkommunikation, in der auch deren politisches Potenzial skizziert wird, steht der systematische Vergleich klassischer und moderner Kommunikationsformen und deren Abhängigkeiten. Dabei greifen die Autoren ständig auf Modelle des sozialen Wandels zurück. Inhaltsübersicht: 2. Zum Realitätsgehalt von Öffentlichkeitsbegriffen; 3. Zwei Strukturmerkmale von Öffentlichkeit; 4. Gesellschaftlicher Wandel und Öffentlichkeit; 5. Kommunikative Potentiale des Internet; 6. Gegenöffentlichkeit im Cyberspace? Die Bedeutung des Raumes; 7. Herkömmliche Massenmedien und Internet; 8. Mailinglist und Chat: eine Exploration; 9. Subversion oder Anarchie? Zur Kommunikation von Gerüchten; 10. Gerüchte im Internet; 11. Propaganda und die Instrumentalisierung der Gegenöffentlichkeit; 12. Das Ende der Propaganda; 13. Medienkompetenz als demokratietheoretisches Postulat; 14. Ausblick: Die Dialektik der Internet-Kommunikation.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.22 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Klaus Plake / Daniel Jansen / Birgit Schuhmacher: Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit im Internet. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/16017-oeffentlichkeit-und-gegenoeffentlichkeit-im-internet_18339, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18339 Rezension drucken

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