Portal für Politikwissenschaft

Die Tiananmen-Akte

Andrew J. Nathan / Perry Link

Die Tiananmen-Akte. Die Geheimdokumente der chinesischen Führung zum Massaker am Platz des Himmlischen Friedens

Berlin: Propyläen Verlag 2001; 765 S.; 36,- €; ISBN 3-549-07134-5
Von dem Massaker am Tiananmen-Platz, das am 4. Juni 1989 hunderte, wenn nicht gar tausende von Menschen das Leben kostete, existieren bereits viele Augenzeugenberichte. Die Schüsse der chinesischen Volksarmee auf das eigene Volk sind mittlerweile gut dokumentiert. Die Veröffentlichung von geheimen Protokollen, Berichten und handschriftlichen Aufzeichnungen aus dem engeren chinesischen Führungszirkel ist jedoch nicht mehr und nicht weniger als eine Sensation. Die Entscheidungsprozesse und Verantwortlichkeiten werden erstmals deutlich. Die Dramatik der Situation wird nachvollziehbar. Das Politbüro erhielt nahezu stündlich Berichte aus allen Landesteilen, von Provinzregierungen und Sicherheitskräften. Zusammen mit den Protokollen von Diskussionen im Politbüro, aber auch im obersten Führungsgremium unter Deng Xiaoping ergeben diese Dokumente ein erschreckendes Bild von der Kaltschnäuzigkeit, mit der diese Männer, die zum Teil heute noch an der Macht sind, gegen die protestierenden Studenten vorgingen. Problematisch an der Zusammenstellung von Geheimdokumenten ist die Tatsache, dass ihre Echtheit nicht, wie etwa die der Pentagon-Papiere, überprüft werden kann. Zweifellos verfolgen die anonym bleibenden Kompilatoren der Zusammenstellung auch eindeutig politische Ziele, nämlich vermutlich die Rehabilitierung des Reformflügels der Kommunistischen Partei. Die amerikanischen Herausgeber der Dokumente und ihr Mitautor Orville Schell, allesamt anerkannte Experten für die Politik des modernen Chinas, kommen nach langem Bemühen um weitgehende Verifizierung der Texte trotzdem zu dem Schluss, dass die Geheimdokumente echt sind: "Aus den Texten spricht die Wahrheit, und sie stimmen im Hinblick auf die Fakten, den Tonfall und den politischen Standpunkt mit dem überein, was wir als langjährige Beobachter Chinas über die Ereignisse von 1989 und über die Führer des Landes wissen." (728) Gleichwohl betonen sie, "dass sich niemand außerhalb Chinas vollständig für die Authentizität dieser Niederschriften verbürgen kann" (729).
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.682.25 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Andrew J. Nathan / Perry Link: Die Tiananmen-Akte. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/15521-die-tiananmen-akte_17689, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17689 Rezension drucken

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