Portal für Politikwissenschaft

Integration in der Supranationalen Union

Thomas Schmitz

Integration in der Supranationalen Union. Das europäische Organisationsmodell einer prozeßhaften geo-regionalen Integration und seine rechtlichen und staatstheoretischen Implikationen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2001 (Schriftenreihe Europäisches Recht, Politik und Wirtschaft 245); 674 S.; geb., 75,67 €; ISBN 3-7890-7103-X
Rechtswiss. Habilitationsschrift Göttingen; Gutachter: Ch. Starke, H. Klein, V. Götz. - Weder aus einer juristischen noch aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive fällt die Einordnung der Europäischen Union in das Spektrum der staatlichen und zwischenstaatlichen Organisationsformen leicht. Die Beschreibungen für die Union oszillieren zwischen den Begriffen "Staatenbund", "Bundesstaat", "Staatenverbund", Internationaler Organisation sui generis etc. Es kann nicht befriedigen, so stellt der Autor fest, "dieses Gemeinwesen als etwas Einzigartiges zu betrachten, das nur in seiner konkreten Gestalt zu verstehen sei" (27). Der Autor fasst die Europäische Union nicht als etwas Singuläres, sondern als den vorläufig einzigen Vertreter einer neuen Organisationsform im Spannungsfeld von Globalisierung und Georegionalisierung auf: Die EU, so lautet seine Definition, ist "eine von mehreren Staaten zum Zwecke der Integration gegründete, auf ständige Fortentwicklung angelegte, konzeptionell für Aufgaben aller Art offene internationale Organisation, welche ihrer Integrationsfunktion vor allem dadurch nachkommt, dass sie in erheblichem Umfang durch Ausübung von Hoheitsgewalt in den Mitgliedstaaten selbst öffentliche Aufgaben wahrnimmt" (168). Unter diesem Blickwinkel befasst sich die Untersuchung mit fundamentalen Rechtsfragen, welche diese Organisationsform betreffen, versteht sich aber zugleich als interdisziplinären Beitrag zum Verständnis der Integration in einer Supranationalen Union. Daher relativiert sich auch in den Augen des Autors der allgemeine Vorwurf der Kompliziertheit der EU als ein Preis, der für ein Wirkungsoptimum aus effektiver funktionaler Aufgabenerfüllung, Verwirklichung von Grundwerten und politischen Leitideen sowie weitgehender Rücksichtnahme auf die mitgliedstaatliche Identität zu zahlen sei (508). Inhaltsübersicht: 1. Problemstellung: A. Die Weltordnung der Nationalstaaten im Umbruch; B. Eine fest etablierte supranationale Größenordnung in Europa; C. Eine noch nicht bewältigte Ausdifferenzierung öffentlicher Gewalt; D. Die Sorge um die Grundwerte und die Grundstrukturen in der politischen Gemeinschaft. 2. Eine neue Organisationsform: die Supranationale Union: A. Das europäische Modell einer neuen Form von Gemeinschaft; B. Stellung und Rechtsnatur der Supranationalen Union; C. Der Staat in der Supranationalen Union; D. Die Hoheitsgewalt der Supranationalen Union. 3. Homogenität in der Supranationalen Union: B. Die Notwendigkeit von Homogenität in der Supranationalen Union; C. Die Sicherung der Homogenität in der Supranationalen Union. 4. Die Verfassung der Supranationalen Union: B. Die Möglichkeit einer Verfassung für die Supranationale Union; C. Die noch ausstehende Verfassung der Europäischen Union; D. Die Anforderungen an die Verfassung einer Supranationalen Union.
Stefan Gänzle (GÄ)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.1 | 4.1 | 3.2 Empfohlene Zitierweise: Stefan Gänzle, Rezension zu: Thomas Schmitz: Integration in der Supranationalen Union. Baden-Baden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/15025-integration-in-der-supranationalen-union_17057, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17057 Rezension drucken

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