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Evaluation bestehender gesetzlicher Mindestlohnregelungen – Branche: Bauhauptgewerbe

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung / Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung / Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (Hrsg.)

Evaluation bestehender gesetzlicher Mindestlohnregelungen – Branche: Bauhauptgewerbe. Gutachten

Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag 2012 (IAB-Bibliothek 336); 567 S.; 49,90 €; ISBN 978-3-7639-4059-2
Um in der Mindestlohndebatte auf gesicherte empirische Erkenntnisse zurückgreifen zu können, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wissenschaftliche Evaluierungen über die ökonomischen Effekte von Mindestlohnregelungen für acht verschiedene Branchen in Auftrag gegeben. Mit diesem als Buchpublikation veröffentlichten Evaluationsbericht wird ausführlich über das Bauhauptgewerbe, für das 1997 als erste Branche in Deutschland ein Mindestlohn eingeführt wurde, informiert. Im Mittelpunkt der Evaluation stehen die direkten Folgen des Mindestlohns für Löhne und Beschäftigung sowie indirekte Wirkungen auf Aspekte der Arbeitszufriedenheit und der Wettbewerbssituation der Baubetriebe. Als Grundlage der Analysen wurde ein eigener, umfassender Datensatz ALEED‑Bau (Administrative Linked‑Employer‑Employee‑Daten Bau) aufgebaut sowie eine Beschäftigtenbefragung und Experteninterviews mit verschiedenen Akteuren aus der Baubranche durchgeführt. Die Autoren stellen zunächst die ökonomischen Besonderheiten und institutionellen Rahmenbedingungen der Baubranche heraus (unter anderem jahreszeitlich bedingte Produktionsschwankungen, saisonale Arbeitslosigkeit, hohe Fluktuation, Schwarzarbeit, besondere Formen der Arbeitsmigration, Sozialkassen, Schlechtwettergeld) und zeichnen ein allgemeines Stimmungsbild der Branche. Danach werde die Notwendigkeit von Mindestlöhnen nicht angezweifelt, allenfalls über die Höhe herrsche Uneinigkeit. Zudem sorge der Mindestlohn für gleiche Voraussetzungen bei der Auftragsvergabe und trage zur Wahrung des sozialen Friedens sowie „maßgeblich zu einer Reduktion der Fremdenfeindlichkeit und zu einer Steigerung der Europafreundlichkeit“ (189) bei. Hinsichtlich der untersuchten Wirkungsfelder, die jeweils für Ost‑ und Westdeutschland getrennt analysiert wurden, kommen die Autoren des Forschungskonsortiums zu unterschiedlich aussagekräftigen Ergebnissen. Während die Effekte auf die Lohnentwicklung in den neuen Bundesländern ausgeprägter waren als in Westdeutschland, ließen sich auf die Beschäftigung insgesamt keine größeren Effekte nachweisen. Auch habe sich die Wettbewerbsfähigkeit durch den Mindestlohn nicht verändert; im Vergleich zu ausländischen Subunternehmen habe sie „durch die Verringerung des Lohnkostenvorteils eher zugenommen“ (495). Aufgrund der Besonderheiten der Baubranche schätzen die Autoren die Übertragbarkeit ihrer Erkenntnisse auf andere Wirtschaftsbranchen als äußert gering ein.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung / Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung / Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (Hrsg.): Evaluation bestehender gesetzlicher Mindestlohnregelungen – Branche: Bauhauptgewerbe. Bielefeld: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/14545-evaluation-bestehender-gesetzlicher-mindestlohnregelungen--branche-bauhauptgewerbe_43526, veröffentlicht am 18.04.2013. Buch-Nr.: 43526 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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