Portal für Politikwissenschaft

Die Menschenrechtsidee

Sibylle Tönnies

Die Menschenrechtsidee. Ein abendländisches Exportgut

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 226 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-16434-2
Tönnies hält ein eindrückliches Plädoyer für die Menschenrechte, indem sie deren Genese und Modifikationen historisch darlegt und zugleich mit aktuellen Bezügen und Kontroversen anreichert. Dahinter steht ihre Überzeugung, dass trotz deren idealen Voraussetzungen, die sie als „luftiges Denkgebäude“ (10) kritisch eingesteht, sie universale Geltung beanspruchen sollen und können. Näherhin steht für sie die Gleichheit vor dem Gesetz im Zentrum dieser Rechte. Dass alle Menschen trotz faktischer Ungleichheiten gleiche Rechte haben, setze einen anthropologischen Kosmopolitismus voraus: Der Mensch werde von seiner faktischen Herkunft gelöst und als un-qualifiziertes Wesen angesehen, das nicht durch seine Eigenheiten bestimmte Vorteile oder Nachteile genieße. Allerdings sei ein starker Staat notwendig, um diese Rechte auch zu garantieren und zu verwirklichen. – Diese drei Aspekte (Gleichheit, Kosmopolitismus, staatliches Recht) verfolgt Tönnies durch den Verlauf der Geistes- und Sozialgeschichte. Nachdem sie mit der griechischen Antike, dem römischen Recht und dem Christentum die drei Wurzeln benannt hat, zeigt sie, dass im Verlauf der Geschichte die universale Konzeption immer wieder übersteuert wurde – sei es durch Partikularismen (Mittelalter, Kommunitarismus, Postmoderne), sei es durch monistische Gedanken, die kein luftiges Ideal akzeptieren (Romantik, Nationalsozialismus, Marxismus, Systemtheorie). Sicherlich sind diese Analogien bisweilen sehr grob, andererseits verdeutlichen sie die grundlegende Konzeption von Tönnies: Zwar bestreitet sie nicht das Recht auch der partikulären Denkungsart – aber nur für partikuläre Räume. Angesichts des zunehmenden Zusammenwachsens der Menschheit sei aber ein universales Konzept unverzichtbar – gegenwärtig müssten die Menschenrechte also durch eine Weltmacht garantiert werden.
Volker Stümke (VS)
Dr., evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg.
Rubrizierung: 4.42 | 5.44 Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: Sibylle Tönnies: Die Menschenrechtsidee. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/14469-die-menschenrechtsidee_38873, veröffentlicht am 23.06.2011. Buch-Nr.: 38873 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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