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Sozialstaat gegen Wohnungsnot

Georg Wagner

Sozialstaat gegen Wohnungsnot. Wohnraumbewirtschaftung und Sozialer Wohnungsbau im Bund und in Nordrhein-Westfalen 1950 - 1970

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 1995 (Forschungen zur Regionalgeschichte 11); 492 S.; geb., 78,- DM; ISBN 3-506-79583-X
Geschichtsw. Diss. Bielefeld; Erstgutachter: Ch. Kleßmann. - Wagner beschäftigt sich mit den staatlichen Steuerungsinstrumenten im Bereich der Wohnungspolitik auf Bundesebene, im Land Nordrhein-Westfalen und auf kommunaler Ebene anhand einer Fallstudie in Bielefeld - im Zeitraum 1950 bis 1970. Dabei fragt er nach den Entscheidungsstrukturen, die dem "politischen System der Wohnungsbauförderung" zugrunde liegen (2), nach der Vernetzung der drei Ebenen des Sozialstaats (388). Nach Kriegsende war die Wohnraumbewirtschaftung (Einweisung von Untermietern in den vorhandenen Wohnraumbestand) das Instrument, um der Wohnungsnot zu begegnen. Schrittweise wurde dieses Instrument durch das zweite abgelöst: den sozialen Wohnungsbau. Der Bund machte ihn mit Hilfe des Wohnungsbaugesetzes 1950 zu seiner Aufgabe, so daß den Ländern zunächst wenig Gestaltungsfreiheit blieb. Ihnen oblag lediglich die Durchführung des Wohnungsbaus durch die ausführende Verwaltung. Zudem bestand eine finanzielle Abhängigkeit der Länder vom Bund, der auf diese Weise seinen Einfluß sicherte. Erst nach erheblicher Reduktion der Finanzmittel für den sozialen Wohnungsbau durch den Bund, erlangten die Länder mehr Selbständigkeit und Einfluß in diesem Bereich. So wurde beispielsweise in Nordrhein-Westfalen 1966 das erste Vierjahres-Wohnungsbauprogramm verabschiedet. Die Kommunen verfügten insgesamt über wenig Freiraum; ihr Verdienst bestand vor allem in der Gründung kommunaler Wohnungsunternehmen. Der Autor bewertet den sozialen Wohnungsbau als erfolgreich, bezeichnet ihn als "große Errungenschaft des bundesdeutschen Sozialstaats", der wesentlich dazu beigetragen habe, "daß die ungeheuren sozialen Belastungen aus den Gründerjahren nicht in eine dauerhafte soziale Deklassierung benachteiligter Bevölkerungsgruppen umschlug" (394). Inhaltsübersicht: Einleitung. Wohnungsversorgung und Wohnungspolitik in der Bundesrepublik: Die Ausgangslage 1950 und die Entwicklung bis 1970. I. Die Gesetzgebung für den Sozialen Wohnungsbau; II. Die Gesetzgebung in der Wohnraumbewirtschaftung; III. Finanzierung und Verwaltung: Die "Ordnungsfunktion des Geldes" ; IV. Wohnungspolitik in Nordrhein-Westfalen; V. Wohnungspolitik der Städte und Gemeinden; VI. Die Erstmieter der Bielefelder Wohnungsbaugesellschaft Eintracht 1956-1976. Sozialstaat auf drei Ebenen: Die Wohnungspolitik im Bund, in Nordrhein-Westfalen und in Bielefeld von 1950 bis 1970.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.343 | 2.325 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Georg Wagner: Sozialstaat gegen Wohnungsnot. Paderborn u. a.: 1995, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/1074-sozialstaat-gegen-wohnungsnot_1038, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 1038 Rezension drucken

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