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Einführung in den Themenschwerpunkt

Islamistische Radikalisierung in der westlichen Welt
Die Erforschung eines komplexen Phänomens

Mit dem Begriff der islamistischen Radikalisierung verbinden sich unterschiedliche Bedeutungen, Perspektiven und Wahrnehmungen. Verstanden als religiös motiviertes, gewaltförmiges Phänomen benennt er für die westliche Welt eine, wenn nicht die zentrale politische und gesellschaftliche Herausforderung. Aus der Perspektive der Täter und ihrer potenziellen Mitstreiter wiederum ist islamistische Radikalisierung Motivation, Ziel und einzige Handlungsmaxime. Sie vollzieht sich in komplexen Prozessen, die – bei allen Fortschritten in der Radikalisierungsforschung – längst noch nicht erschöpfend ausgeleuchtet sind.

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Hassan Abu Hanieh / Mohammad Abu Rumman
Aus dem Arabischen übersetzt von Günther Orth.
Bonn, Dietz Verlag 2018

Warum entschließen sich junge Frauen, ihr gewohntes Leben aufzugeben und sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen? Ausgehend von einer Analyse der IS-Ideologie und des Frauenbildes sowie umfangreichen Quellenmaterials beschreiben Hassan Abu Hanieh und Mohammad Abu Rumman den Werdegang und die Motivation von Dschihadistinnen. Deren Beweggründe entspringen oftmals einem Bedürfnis nach Selbstermächtigung und ihre Entscheidungen sind nicht, wie oft angenommen, die Folge einer Gehirnwäsche. Der IS scheint ihnen eine politische Alternative zum Leben in der westlichen Moderne anzubieten.

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SIRIUS: Rezension

cover the origins of americas jihadists

Islamistischer Terrorismus in den USA. Herkunft und Motive der Täter

In dieser Studie für die RAND Corporation versucht Brian Michael Jenkins die Ursachen des islamistischen Terrorismus in den USA zu ergründen. In den Mittelpunkt stellt er dabei diejenigen Jihadisten, die dort Anschläge verübt oder geplant haben. Zur Erklärung zieht er deren Lebensläufe heran und untersucht diese auf biografische Besonderheiten. Das übergreifende Ziel seiner Analyse ist, die Einwanderungs- und Einreisebestimmungen sowie das Handeln US-amerikanischer Sicherheitsbehörden mit Blick auf deren Fähigkeit, islamistische Anschläge zu verhindern, kritisch zu hinterfragen.

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Michael Blume
Ostfildern, Patmos 2017

Das Erstarken islamistischer Vorstellungen ist für den Religionswissenschaftler Michael Blume Symptom einer schweren Krise des Islam, die er auf eine Fehlentscheidung des osmanischen Sultans im Jahr 1482 zurückführt: Mit dem Verbot des Buchdrucks für arabische Schriftzeichen habe ein Niedergang der islamischen Hochkultur eingesetzt, dessen Folgen bis in die heutige Zeit hineinwirken. Dazu zähle eine massive Bildungskrise, eine verpasste Demokratisierung infolge des Ölbooms und eine fortschreitende Säkularisierung. Der Autor fordert die Muslime zu einem selbstkritischen Blick auf die eigene Geschichte auf, der gewagt und ausgehalten werden müsse.

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Anna Sroka / Fanny Castro-Rial Garrone / Rubén Darío Torres Kumbrián (Hrsg.)
Frankfurt am Main u. a., Peter Lang Verlag 2017

In welchen Ausprägungen zeigen sich Radikalisierung und Terrorismus in der Europäischen Union? Wie wirken sich diese auf sie aus? In dem Sammelband „Radicalism and Terrorism in the 21st Century“ wird dieser Themenkomplex vor allem aus polnischer und spanischer Perspektive ausgeleuchtet. Gefragt wird nach den Mechanismen der Radikalisierung ebenso wie nach der Möglichkeiten der Prävention. Während grundsätzlich ein großer Forschungsbedarf erkannt wird, stimmen die Vorschläge der Autor*innen bereits überein: Die EU-Mitgliedsstaaten sollten Prävention und Gesetze aufeinander abstimmen.

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Jan Ilhan Kizilhan / Alexandra Cavelius
Berlin u. a., Europa Verlag 2016

Die Motivationen, die hinter terroristischen Gewalttaten stehen, stoßen seit jeher vor allem auf Unverständnis – abgesehen vielleicht von einem relativ kleinen Kreis von Sympathisanten. Was den sogenannten Islamischen Staat (IS) angeht, potenziert sich dieses Unverständnis allerdings zu fassungslosem Grauen. Der Psychologe Jan Ilhan Kizilhan, anerkannter Experte für Traumapsychologie, betreute in den vergangenen Jahren mehr als tausend jesidische Frauen und Kinder, nachdem sie vom IS versklavt und auf das Schwerste misshandelt worden waren. Er und die Autorin Alexandra Cavelius veröffentlichen nun einige der Erfahrungsberichte und analysieren anhand dieser die Täterpsychologie.

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Bewegte Bilder

Radikalisierung von Muslimen. Einschätzungen zu Ursachen und Verlauf

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat eine neue Reihe mit Filmen aufgelegt, die einen audiovisuellen Einstieg in das komplexe Thema Islamismus, Dschihadismus und Salafismus bieten. In dem 20-minütigem Film „Radikalisierung von Muslimen“ erklären Experten aus Wissenschaft und Praxis, warum und wie sich junge Muslime radikalisieren.

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Literaturschau

PKW Frauen im Gepck

Wie den radikalisierten Jugendlichen begegnen? Kommentierte Auswahl von Handreichungen zur Prävention

In den vergangenen Jahren ist eine Vielzahl an Initiativen und Projekten entstanden, die sich mit der Präventionsarbeit beschäftigen, sei es auf kommunaler Ebene, im Rahmen von religiösen Vereinigungen oder anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dabei werden unter anderem verschiedene Vorschläge und Empfehlungen umgesetzt, die von Forschungseinrichtungen und politischen Stiftungen erarbeitet wurden. Eine Auswahl solcher Handreichungen und Literatur über einzelne Phänomene wie zum Beispiel die Online-Radikalisierung wird im Folgenden vorgestellt.

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Fethi Benslama
Berlin, Matthes & Seitz, 2017

Der Psychoanalytiker Fethi Benslama hat viele Jahre mit radikalisierten Jugendlichen in Pariser Vororten gearbeitet und befasst sich vor dem Hintergrund seiner praktischen Erfahrungen in seinem Buch mit den individualpsychologischen Faktoren der Radikalisierung von jungen Muslimen. Diese erweist sich demnach als ein Symptom einer Adoleszenzkrise, Gefühle von geringem Selbstwert und der Entwurzelung können die Entwicklung zum Übermuslim begünstigen. Deutlich wird in der Analyse auch, dass diese Radikalisierung die Freiheit der Frauen und die offene Gesellschaft grundlegend bedroht.

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Michail Logvinov
Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2018 (essentials)

Die Erforschung des Terrorismus befindet sich nach Ansicht von Michail Logvinov seit 9/11 auf einem Irrweg. Er kritisiert vor allem, dass der Ideologie der Täter eine unangemessen hohe Bedeutung zugeschrieben wird. Damit widerspricht er einem naiv-linearen Verständnis des Radikalisierungsprozesses und stellt stattdessen Erinnerungsfiguren heraus, auf die sich die verschiedenen islamistischen Strömungen gemeinsam beziehen. Neben diesen kulturellen Aspekten hebt Logvinov in seinem ausführlichen Essay vor allem die Bedeutung sozioökonomischer Motive für eine Radikalisierung hervor.

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 Sammelrezension

zerstoerte Maedchenschule

Das religiöse Fundament des Dschihadismus. Eine eigene Lesart der Geschichte

Vorgestellt werden drei Bücher, die sich mit der Verbindung von Islam und Gewalt befassen. Rüdiger Lohlker legt ein äußerst quellenreiches Überblickswerk über die Entwicklung und Verbreitung einer radikalen islamischen Theologie vor. Jan-Heiner Tück bietet mit seinem Sammelband eine teils kontroverse Diskussion über die Radikalität des Islam. Einen Schwerpunkt stellt die Konzeption des Martyriums dar. Abdel Bari Atwan wiederum betrachtet die Bedeutung der neuen Medien als wichtige Stütze des IS.

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Joby Warrick
Darmstadt, Theiss 2017

Joby Warrick, der für dieses Buch seinen zweiten Pulitzer Prize gewann, erklärt die Entstehung und zunächst unverständliche Langlebigkeit der Terrororganisation Islamischer Staat nicht nur monokausal mit dem letztlich unüberlegten Eingreifen der Bush-Administration im Irak. Damit sei allerdings eine Entwicklung ausgelöst worden, die es dem Führer des irakischen al-Quaida-Ablegers Abu Musab al-Zarqawi ermöglichte, Ideologie und Gewalt tiefgehend miteinander zu verknüpfen. Damit habe er die Grundlage geschaffen, auf der sich der IS heute behaupte.

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Aus der Forschungslandschaft

Radikalisierung. Forschung für die Praxis

Nicht erst mit der Genese des „Islamischen Staates“, aber beschleunigt durch dessen auf Diaspora-Muslime ausgerichtete Anwerbestrategie, gewinnen Forschungen im Bereich der Radikalisierung und De-Radikalisierung zunehmend an Bedeutung und politischer Relevanz.
Mit diesem Überblick werden ausgewählte Forschungseinrichtungen kurz vorgestellt.

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 Forschungsüberblick

Panzer243

„Warum tun Menschen so etwas?“ Ansätze und Eckpunkte der Radikalisierungsforschung

„Die Popularität des Konzepts ‚Radikalisierung‘ steht in keinem direkten Verhältnis zu seiner tatsächlichen Erklärungskraft bezüglich der Grundursachen von Terrorismus“ – ob diese so eindeutig und vernichtend formulierte Aussage des eminenten Terrorismusforschers Alex P. Schmid zutreffend ist, soll auch mit dieser Übersicht über Ansätze und Entwicklungen de Radikalisierungsforschung zu bewerten versucht werden.

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Julia Ebner
Darmstadt, Theiss Verlag 2018

Zwar stehen sich radikale Islamisten und Rechtsextremisten diametral gegenüber, doch in ihren Zielen und Strategien seien sie sich nicht nur ähnlich, sondern würden voneinander profitieren und sich gegenseitig bestärken, so die These, hin zu einer Spirale der Gewalt. Anhand von mehreren Beispielen beschreibt und erklärt Julia Ebner diese Mechanismen und die Gemeinsamkeiten der extremistischen Bewegungen. Sie spricht von einer globalen Identitätskrise, die durch die Globalisierung, Technologie und Migration eine neue Dynamik bekomme und als Triebkraft für Radikalisierungen wirke.

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Olivier Roy
München, Siedler Verlag 2017

Olivier Roy befasst sich mit den Hintergründen und Motivationen islamistischer Terroristen. Dabei folgt er seinem aus vorangegangenen Publikationen bekannten Argumentationsstrang, der die Bedeutung der Religion oder sozio-ökonomischer Probleme als überbewertet betrachtet und stattdessen auf psychologische Faktoren fokussiert. Für ihn sind islamistische Terrorakte nicht zwangsläufig aus der islamischen Lehre hervorgegangen. Die Täter „werden nicht radikal, weil sie bestimmte Texte falsch verstanden haben oder sie manipuliert wurden: Sie sind radikal, weil sie radikal sein wollen“.

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Michael Kiefer et al.
Wiesbaden, Springer VS 2018

Der Sammelband stellt eine der ersten deutschsprachigen Untersuchungen zur Jugendradikalisierung in salafistischen Netzwerken dar, die auf empirischem Material basiert – in diesem Fall dem Protokoll eines WhatsApp-Chats. 5.757 Botschaften aus drei Monaten wurden ausgewertet. Sie gewähren Einblicke in Gruppendynamiken, in die Gedankenwelt und den tatsächlichen Radikalisierungsprozess einer zunehmend militanter werdenden Gruppe junger Salafisten. Der Band enthält politische Empfehlungen für die Präventionspraxis, Adressaten für Maßnahmen zur De-Radikalisierung seien in erster Linie die Schule und die Jugendhilfe.

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Sammelrezension

Wie wir uns schützen können. Zum Umgang mit dem islamistischen Terror

Wie ist mit dem Terrorismus umzugehen, der vom Islamischen Staat ausgeht? Florian Peil stellt in seinem Buch „Terrorismus“ ebenso wie Philippe-Joseph Salazar in „Die Sprache des Terrors“ diese Frage in den Mittelpunkt der Analyse. Während Peil Handlungsempfehlungen und Verhaltensregeln aus der professionellen Sicht eines Sicherheitsexperten liefert, setzt sich der Philosoph Salazar mit der ausgefeilten Rhetorik des IS auseinander.

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Janusz Biene / Christopher Daase / Julian Junk / Harald Müller (Hrsg.)
Frankfurt am Main, Campus 2016

Nach den Attentaten in Paris und Brüssel und zuletzt in Berlin ist das Thema Salafismus und Dschihadismus auch in Deutschland prominent im öffentlichen Diskurs. In dem Sammelband von Janusz Biene, Christopher Daase, Julian Junk und Harald Müller ist eine Reihe von Experten nicht nur aus dem akademischen Bereich vertreten, um das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Dabei verfolgen die Herausgeber das hohe Ziel „das, was wir über Salafismus und Dschihadismus in Deutschland wissen, zusammenzutragen und systematisch aufzubereiten“ (7).

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