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Einführung in den Themenschwerpunkt

Demokratie gestalten
Zum Verhältnis von Repräsentation und Partizipation

Folgt man den jüngeren Umfragen und Gegenwartsdiagnosen, so ist die repräsentative Demokratie mindestens in eine Schieflage geraten. Zu den Kennzeichen dieser Krise zählen der Rückgang der Wahlbeteiligung und ein wachsendes Legitimationsdefizit, eine abnehmende Bindungskraft der großen politischen Parteien sowie ein genereller Vertrauensverlust gegenüber Parteien und Politik. Im Gegenzug entwickeln sich neue Formen von sozialer und politischer Partizipation und des Protestes. Vielfach wird die Ausweitung der direkten Demokratie als Lösung propagiert und an die Hoffnung auf eine Verbesserung der demokratischen Qualität geknüpft.

Mit diesem Themenschwerpunkt wird anhand von empirischen wie theoretischen Studien und Beiträgen das Spannungsfeld von Repräsentation und Partizipation näher betrachtet. Unter Partizipation werden dabei sowohl die vielfältigen Formen der politischen Beteiligung und direkten Demokratie als auch das weite Feld des zivilgesellschaftlichen Engagements gefasst. Ziel ist es, die verschiedenen Aspekte und Standpunkte zu diesem Thema aufzugreifen, auf Zusammenhänge und aktuelle Forschungsfragen hinzuweisen und zur weiteren Diskussion anzuregen.

Thomas Mirbach beleuchtet in seinem Literaturbericht die theoretische Debatte über Repräsentation, soziale Ungleichheit und Partizipation. Er erörtert vor allem das kontrovers betrachtete Verhältnis von Repräsentation und Demokratie und diskutiert am Beispiel zweier gegensätzlicher Narrative über den Formenwandel der Repräsentation (Bernard Manin versus Simon Tormey) deren Anschlussfähigkeit an gestiegene Partizipationsbedürfnisse in der Form der direkten Demokratie. Auch Peter Graf Kielmansegg setzt sich mit den Krisensymptomen der repräsentativen Demokratie auseinander. In seinem Buch „Repräsentation und Partizipation. Überlegungen zur Zukunft der repräsentativen Demokratie“ formuliert er, aufbauend auf einen historischen Vergleich verschiedener Sichtweisen über die repräsentative Demokratie, Anforderungen an eine „sinnvolle Partizipation“. Ergänzend finden sich zwei Auswahlbibliografien über Krisendiagnosen zur Demokratie sowie zum Verhältnis von Partizipation und Repräsentation. In einer weiteren Übersicht weren einschlägige Forschungsaktivitäten sowie Plattformen und Netzwerke zur Förderung der demokratischen Kultur und Bürgerbeteiligung vorgestellt.

Die Chancen und Risiken der direkten Demokratie sind das Thema der Sammelrezension Zwischen normativem Anspruch und politischer Realität. Sie werden ebenso von Angelika Vetter und Uwe Remer-Bollow in ihrer Einführung zum Thema Bürgerbeteiligung erörtert. Das Lehrbuch bietet eine systematischen Überblick über die vielfältigen Beteiligungsformen und deren gesellschaftlichen Potenziale.

In zwei Beiträgen werden zudem die Rolle und die Bedingungen des zivilgesellschaftlichen Engagements exemplarisch beleuchtet. Daniel Weyermann beschreibt die Arbeit und das gesellschaftspolitische Potenzial von Zivildiensten am Beispiel der Schweiz. Susanne Dengel befasst sich mit Maßnahmen zur Förderung des Ehrenamtes in der Musik vor. Auf die Anfänge und den Wandel der Zivilgesellschaftsforschung blickt Rupert Graf Strachwitz zurück und berichtet über die Forschungspraxis des Meacenata-Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft. Darüber, wie es gegenwärtig um die Zivilgesellschaft bestellt ist, geben zwei weitere Vorträge Aufschluss. Jürgen Kocka sieht die Zivilgesellschaft im Aufwind und verweist auf ihre starke Heterogenität und Fluidität sowie eine wachsende Politisierung. Die Trennlinien zu Markt und Staat seien durchlässiger geworden. Eckhard Priller befasst sich mit der Zukunft der zivilgesellschaftlichen Organisationen. Diese seien auf die künftigen Herausforderungen, die beispielsweise der demografische Wandel, soziale Schließungsmechanismen oder die Digitalisierung nach sich ziehen werden, nicht ausreichend vorbereitet. Ohne Visionen und eine langfristige Programmatik drohe ihnen, auf die sprichwörtliche Lückenbüßerfunktion beschränkt zu bleiben. Ebenso befasst sich Roland Roth mit den gegenläufigen Tendenzen der Zivilgesellschaft und stellt diesen die Idee einer vielfältigen Demokratie gegenüber.

Dieser Themenschwerpunkt wird fortlaufend um weitere Beiträge ergänzt.

Verfasst von:

Anke Rösener

Erschienen am:

11. Dezember 2017

Zum Überblick

Demokratie gestalten – zum Verhältnis von Repräsentation und Partizipation


 Analyse

Rainer-Olaf Schultze
Stabilität und Wandel. Wieviel politische Beteiligung braucht die Demokratie?

Rainer-Olaf Schultze setzt sich in seinem Beitrag, der aus einer Vortragsreihe aus Anlass der Bundestagswahl 2017 hervorgegangen ist, mit der Vielfalt politischer Beteiligung auseinander. Erkennbar sei ein gesundes Maß an „doppelstrategisch praktizierter Partizipation“, das sich einerseits in gestiegenen direkt-demokratischen Bürgerprotesten, anderseits in Veränderungen der Parteienlandschaft durch die repräsentativ-demokratische Institution der Wahl äußert.

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