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Einführung in den Themenschwerpunkt

Chance auf ein normales Leben?
De-Radikalisierungsprojekte in der arabischen Welt

Wie kann es gelingen, islamistische Extremisten zu einer Abkehr von Gewalttaten zu bewegen und sie in die Gesellschaft zu reintegrieren? In vielen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens wurden nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Programme zur De-Radikalisierung aufgelegt. Sie gründen auf der Überlegung, dass die grassierende Radikalisierung nicht mit militärischen Mitteln, sondern mit weicheren, an den individuellen Motivlagen ansetzenden Methoden bekämpft werden muss. Mit diesem kompakten Themenschwerpunkt wollen wir den Blick ganz konkret auf die bisherigen Befunde über De-Radikalisierungsprojekte richten und tiefere Kenntnisse über deren Voraussetzungen, Hindernisse und Erfolgsaussichten vermitteln.

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Thomas Hegghammer (Hrsg.)
Cambridge, Cambridge University Press 2017

Dass es bei Militanz und Kampfgeist nicht nur um Bomben und Doktrinen geht, sondern auch um Rituale und Bräuche, um Musikfilme und das Erzählen von Geschichten, um Sport und Essen, ist allen, die sich ausführlich mit der Propaganda des Islamischen Staates befasst haben, eigentlich klar. Dennoch bleiben diese Aspekte im akademischen Diskurs weitgehend ausgeblendet. Erhellt werden sie in dem Sammelband des norwegischen Dschihadismus-Experten Thomas Hegghammer. Er und sein Autorenteam befassen sich mit der Bedeutung von Poesie, Musik, Bildsprache und Literatur in der dschihadistischen Kultur.

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SIRIUS: Analyse

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Phoenix aus der Asche: Wie al-Qaida sich neu erfindet und wieder an Stärke gewinnt

Al-Qaida hat einen Wandel durchlaufen und gewinnt wieder an Stärke, so die Beobachtung von Florian Wätzel. Während die Kernorganisation an Einfluss verloren hat, haben sich ihre Ableger verselbstständigt. Der Zusammenbruch von Staatlichkeit in Teilen des Nahen Ostens und Nordafrikas als Folge des Arabischen Frühlings hat den Dschihadisten weitreichende Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Wo politische Instabilität eine effektive Terrorismusbekämpfung verhindert, eröffnen sie neue Fronten, rekrutieren Kämpfer und vergrößern ihren Einfluss. Von Terroroperationen im Ausland und damit von Osama bin Ladens globalen Dschihad gegen den Westen nehmen sie hingegen Abstand, um ihre bisherigen Erfolge in der eigenen Heimat nicht durch Vergeltungsschläge des Westens zu gefährden.

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Digirama

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Zwischen Dschihad und dem Wunsch nach Freiheit. Die Lebenssituation junger Menschen in der arabischen Welt

Fragt man, warum sich junge Menschen islamistischen Ideologien hingeben und sich radikalisieren, wird immer wieder die Bedeutung nicht nur der individuell-religiösen Motive, sondern auch die Rolle der sozioökonomischen und politischen Rahmenbedingungen hervorgehoben. Dazu zählen in erster Linie Fragen der Bildung und Ausbildung. Die Perspektivlosigkeit der Jugend – die Mehrheit der Bevölkerung in den arabischen Ländern ist jünger als 25 Jahre – ist ein ernstes und dauerhaftes Problem.

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Marc Lynch
Aus dem Englischen von Rita Seuß und Thomas Wollermann.
Hamburg, Edition Körber-Stiftung 2016

Marc Lynch, der Erfinder des Begriffs „Arabischer Frühling“, legt eine Bewertung der Aufstandsbewegungen in der arabischen Welt nach 2011 vor. In neun Kapiteln arbeitet er die sozialen und politischen Entwicklungen in den Aufstandsländern, die Interessenlagen der Regionalmächte und die Rolle der USA heraus. Auch geht er auf die Muslimbruderschaft ein, die er als ein Bollwerk gegen radikalere dschihadistische Kräfte einschätzt. Nach dem Scheitern der ersten Rebellion und angesichts der äußerst instabilen politischen Landschaft seien weitere und gewaltsamere Aufstände zu erwarten.

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Hugh Kennedy
München, C. H. Beck 2017

Wer kann Kalif werden? Wie wird ein Kalif gewählt? Welche Machtfülle hat ein Kalif? Mit diesen drei Kernfragen der Kalifatsidee, auf die die islamische Geschichte die unterschiedlichsten Antworten bereithält, befasst sich der Londoner Islamwissenschaftler Hugh Kennedy in seiner historischen Arbeit. Er zeichnet ein großes Bild von Siegen, prächtiger Machtentfaltung und einem schleichenden Niedergang der unterschiedlichen Kalifate. Indem er die notwendigen Bezüge zur Gegenwart darstellt, belegt er eindrücklich, dass das Studium der islamischen Geschichte eine wesentliche Voraussetzung zum Verständnis heutiger Phänomene darstellt.

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Sammelrezension

Kein Patentrezept. Ansätze der De-Radikalisierung


kinder am zaun

Während über die Radikalisierung und Rekrutierung von islamistischen Extremisten insbesondere seit einem Jahrzehnt intensiv geforscht wird, hat es bis vor Kurzem relativ wenig Literatur zum Thema De-Radikalisierung gegeben. Zwei Studien, die sich als Einstiegs- und Überblickslektüre eignen, werden näher vorgestellt: Während Hamed El-Said verschiedene De-Radikalisierungskonzepte anhand von Länderbeispielen darstellt, fragen Angel Rabasa et al. nach generalisierbaren Kriterien für den Erfolg von De-Radikalisierungsmaßnahmen.

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Christoph Reuter
München, Deutsche Verlags-Anstalt 2017

Christoph Reuter bietet eine seltene Innenansicht des IS aus dem Blickwinkel einer deutschen Konvertitin, die zusammen mit ihrem Mann im Sommer 2014 dem Ruf zur Ansiedlung im Machtbereich des IS in Syrien folgt. Unter dem Pseudonym Maryam beschreibt sie ihre Erlebnisse im Mikrokosmos der Frauen. Es ist der persönliche Blickwinkel, der dem IS-Terror einen menschlichen Anstrich verleiht, hebt Rezensent Michael Rohschürmann hervor. Damit offenbare sich angesichts der Wahrnehmung des Tötens als alltägliches Ereignis eine erschreckende „Banalität des Bösen“, wie sie schon Hannah Arendt am Beispiel des Eichmann-Prozesses beschrieben hatte.

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Forschungsüberblick

Einmal ein Terrorist, immer ein Terrorist? De-Radikalisierungsprogramme im Nahen und Mittleren Osten

 Panzer mit Marktstand

 „Once a terrorist, always a terrorist“ – diese pauschale Aussage ist so griffig wie falsch, wie Erfahrungen mit Programmen der De-Radikalisierung zeigen. Schätzungsweise 100.000 islamistische Radikalisierte und Terroristen sind in Gefängnissen überall auf der Erde inhaftiert, größtenteils im Nahen und Mittleren Osten sowie in Südostasien, von den Mitgliedern der unzähligen aktiven terroristischen Organisationen ganz zu schweigen: Diese Extremisten zu de-radikalisieren, ihre hearts and minds zu erreichen, gehört unzweifelhaft zu den größten Herausforderungen unserer heutigen Zeit im Kampf gegen Terror und Extremismus.

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Digirama

Wie funktioniert De-Radikalisierung? Ein Überblick über Analysen und Erkenntnisse

Mit dieser Übersicht werden Aufsätze, Online-Publikationen sowie Forschungsinstitute und -vorhaben zur De-Radikalisierung islamistischer Gewalttäter in der arabischen Welt vorgestellt. Im Mittelpunkt steht zumeist die von der Forschung noch nicht hinreichend geklärte Frage nach dem Erfolg von De-Radikalisierungsmaßnahmen und den damit verbundenen Anforderungen an derartige Programme. 

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