Portal für Politikwissenschaft

Grüner Kolonialismus in Honduras

Magdalena Heuwieser

Grüner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons

Wien: Promedia 2015 (edition kritische forschung); 216 S.; brosch., 20,- €; ISBN 978-3-85371-391-4
Magdalena Heuwieser untersucht, „wie Green‑Economy‑Strategien, wie ‚grüne’, (scheinbar) klimafreundliche Projekte in der honduranischen Realität“ (11), die von Krisen, Katastrophen und fragiler Staatlichkeit gezeichnet ist, durchgesetzt werden. Und noch einmal präziser: „Wie setzt sich Green Grabbing in Honduras durch und welche Widersprüche und Konflikte treten dabei auf?“ (15) Im Mittelpunkt der Analyse steht die Praxis des sogenannten Green Grabbings, das eine spezielle Form von Landnahme darstellt. Diese im Zeitalter des Neoliberalismus forcierte Praxis zur kommerziellen „Landaneignung durch ausländische Staaten oder Unternehmen“ (12) mit dem Ziel extraktiver Ressourcennutzung „im Namen des Klima‑ und Umweltschutzes“ (13) erschließe dem globalen kapitalistischen Wertschöpfungssystem immer mehr Anbauflächen. Speziell sei hierbei die Legitimierung dieser Praxis, die – etwa im Rahmen des weitflächigen, monokulturellen Anbaus von Grundstoffen für die Biodieselproduktion – ökologische Motive vorbringe, um letztlich industriell‑kapitalistische, ressourcenintensive Eingriffe in die bestehenden Verhältnisse durchzusetzen. Heuwieser untersucht in ihrer Studie drei konkrete Projekte, darunter ein Staudammprojekt, das als Wasserkraftwerk mit der Produktion grünen Stroms zur Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen soll. Die Kehrseite dieses Projektes bestehe indes in der Durchsetzung der für den Damm und den See notwendigen Flächenansprüche. In deren Zuge sei nicht nur massiv Druck auf die einheimische Bevölkerung ausgeübt worden, auch sei es zu einer gezielten Diskreditierung bis hin zur Kriminalisierung des politischen Protests gegen das Staudammprojekt gekommen. Die Bekämpfung des Klimawandels, so vermag Heuwieser zu zeigen, kann auf der Basis der bestehenden System‑ und Produktionslogiken nicht gelingen. Die Durchsetzung von Klima‑ oder Naturschutzprojekten durch Druck und Zwang verfehle eindeutig deren emanzipatorischen, zukunftsweisenden Charakter. Angesichts der von ihr mit Blick auf Honduras formulierten Befunde stelle sich vielmehr die Frage, ob eine langfristig erfolgreiche Klima‑ und Naturschutzpolitik überhaupt mit den Logiken des auf Wachstum und intensiven Ressourceneinsatz basierenden, im industriellen Maßstab produzierenden Kapitalismus vereinbar sei.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.652.22.2632.2624.43 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Magdalena Heuwieser: Grüner Kolonialismus in Honduras. Wien: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40074-gruener-kolonialismus-in-honduras_46867, veröffentlicht am 15.09.2016. Buch-Nr.: 46867 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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