Portal für Politikwissenschaft

Antiamerikanismus in Deutschland

Felix Knappertsbusch

Antiamerikanismus in Deutschland. Über die Funktion von Amerikabildern in nationalistischer und ethnozentrischer Rhetorik

Bielefeld: transcript Verlag 2016; 419 S.; 44,99 €; ISBN 978-3-8376-3388-7
Diss. Marburg; Begutachtung: U. Kelle. – Antiamerikanismus nicht nur als gesellschaftliches, sondern auch als ein theoretisches Problem zu erfassen, ist das Anliegen des Diskriminierungsforschers Felix Knappertsbusch. Wie also macht man einen Begriff wie Antiamerikanismus, dessen Konzeptionierung selbst in der Forschungscommunity durchaus nicht unumstritten ist, greif‑ und beschreibbar? Knappertsbusch richtet sich gegen eine inflationäre Verwendung des Begriffs und behandelt den Antiamerikanismus nicht als (etwa politisches) Einstellungsmuster, da er diese Sichtweise für verengt hält. Stattdessen gilt sein Interesse der Sinnkonstruktion durch Sprechhandeln. Der Autor betrachtet also Antiamerikanismus als Sprechakt und zwar „im alltäglichen, nicht politisch‑programmatisch ausformulierten Sprechen“ (18). Er adaptiert dabei unter anderem Erkenntnisse der diskursiven Psychologie und der Wissenssoziologie. Es geht Knappertsbusch um Formen und Funktionen solcher antiamerikanischer Sprechweisen. Diese stellten „Ungleichheitssemantiken“ dar, „Differenzkonstruktionen […], die an der rhetorischen Reproduktion einer symbolischen Ordnung sozialer Ungleichheit mitwirken“ (25). Knappertsbuschs Kernkonzept – ein „performativer Antiamerikanismusbegriff“ (77) – wird dabei durch Zwischenfazite der in Umfang und Aufbau sehr heterogenen Kapitel nachvollziehbarer, bleibt aber eben stark (sprach‑)theoretisch angelegt. Für ein breiteres politikwissenschaftliches Publikum interessanter ist dagegen der empirische Teil seiner Arbeit, in dem er seine erhobenen Interview‑ und Umfragedaten auswertet. In qualitativer wie auch quantitativer Analyse arbeitet der Autor dabei unter anderem die große Flexibilität der Stereotype über Amerika hinsichtlich ihrer rhetorischen Funktion heraus: etwa zur Aufwertung der (nationalen) Eigengruppe, zur Stabilisierung der eigenen Weltsicht oder auch zur Relativierung von Rassismusvorwürfen. An zahlreichen Beispielen aus den narrativen Interviews zeigt er zudem die dem Antiamerikanismus oft innewohnende Heterogenität und Inkonsistenz.
Frank Kaltofen, Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.352.333 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Felix Knappertsbusch: Antiamerikanismus in Deutschland. Bielefeld: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40047-antiamerikanismus-in-deutschland_48444, veröffentlicht am 01.09.2016. Buch-Nr.: 48444 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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