Portal für Politikwissenschaft

Deutschland durch die Brille der Welt

Anette Violet

Deutschland durch die Brille der Welt. Deutschlandbild und Deutschlandbindung in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik

Münster/New York: Waxmann Verlag 2016; 301 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-8309-3438-7
Eine der zentralen Aufgaben der deutschen Auswärtigen Kultur‑ und Bildungspolitik (AKBP) ist es, im Ausland ein differenziertes Deutschlandbild zu zeigen und die Bindung an Deutschland zu erzeugen. Dazu arbeitet das Auswärtige Amt mit verschiedenen Mittlerorganisationen wie dem Goethe‑Institut oder dem Deutschen Akademischen Austauschdienst zusammen. Allerdings gibt es für die Begriffe Deutschlandbild und Deutschlandbindung bisher „keine offiziellen Definitionen“ (149). Im ersten Teil erarbeitet die Autorin daher Definitionen, um diese dann im zweiten empirischen Teil in Interviews mit Vertreter_innen der Mittlerorganisationen zu überprüfen. Das Deutschlandbild definiert Anette Violet als die „vollständige individuelle, interne Repräsentation von Deutschland und den Deutschen“ (59), die „kognitive und affektive Elemente [enthält], die unterschiedliche Assoziationsstärken zum Kernbegriff ,Deutschland‘ aufweisen“. Dieses so definierte Deutschlandbild entsteht „auf Basis von Primär‑ und Sekundärerfahrungen“ (59). Ob und inwiefern eine solch komplexe Definition in der Praxis anwendbar ist, muss sich künftig zeigen. Die Befragungen fördern aber interessante Aspekte zutage. In Hinblick auf das Deutschlandbild zeigt Violet, dass es weder im Auswärtigen Amt noch bei den Mittlerorganisationen Klarheit darüber gibt, „welche Elemente das Deutschlandbild beinhaltet, das im Ausland vermittelt werden soll“ (157). Auch für den Begriff der Deutschlandbindung gibt es keine konzeptionelle Fundierung, mehr noch: Den meisten Befragten war dieser Begriff „nicht so geläufig“ (158). Vor dem Hintergrund, dass Ausgaben, auch im Bereich der AKBP, „immer stärker gerechtfertigt werden“ (12) müssen, ist in diesem Zusammenhang die Tatsache besonders aufschlussreich, dass bei entsprechenden Evaluierungen Daten zu Deutschlandbild und Deutschlandbindung „kaum systematisch erhoben“ (164) werden.
Falk Hartig, Ph.D., Sinologe und Kommunikationswissenschaftler, Postdoktorand am Frankfurter Inter-Zentren-Programm „Afrikas Asiatische Optionen“ (AFRASO), Goethe Universität Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 4.21 Empfohlene Zitierweise: Falk Hartig, Rezension zu: Anette Violet: Deutschland durch die Brille der Welt. Münster/New York: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39817-deutschland-durch-die-brille-der-welt_48416, veröffentlicht am 07.07.2016. Buch-Nr.: 48416 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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