Portal für Politikwissenschaft

Sineb El Masrar

Emanzipation im Islam – eine Abrechnung mit ihren Feinden

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 2016; 315 S.; geb., 20,- €; ISBN 978-3-451-34276-9
Sineb El Masrar, die in Deutschland als Tochter zweier Muslime aus Marokko zur Welt gekommen ist, prangert mit diesem Buch die Geschlechtertrennung und Rollenzuweisung im Islam an. Sie verweist dabei auf das weiblich‑islamische Erbe. Dieses sei nach dem Tod des Propheten Mohammed missachtet und von einem Konzept der männlichen Dominanz überlagert worden. Die muslimischen Männer hätten die Deutungshoheit über die islamischen Quellen und den Koran erlangt. Um die eigenen Vorteile und Privilegien in der Gesellschaft zu sichern, haben sie demnach die Verse so interpretiert und ausgelegt, dass sie daraus Gesetze für Frauen ableiten konnten, die diese zu befolgen haben – darunter beispielsweise auch das Kopftuchgebot. Systematisch seien Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt und von Bildung ferngehalten worden. Besonders in der salafistisch‑islamistischen Strömung des Islam sei die Vorstellung eines Patriarchats bis heute vorherrschend. El Masrar schreibt, dass gerade diese Strömung in der muslimischen Glaubensgemeinschaft zunehmend an Deutungshoheit gewinne, auch in Deutschland. Hier werde die salafistisch‑islamistische Interpretation zum Beispiel von verschiedenen Vereinen, Verbänden und sogar Universitätsangehörigen weitergetragen. Vor allem die zweite und dritte Einwanderergeneration sowie Jugendliche seien dafür besonders empfänglich. Deshalb hält sie es für umso dringlicher, dass sich endlich etwas verändert: Sie ruft die Muslima in Deutschland dazu auf, sich endlich von der männlichen Dominanz zu emanzipieren. Ihr geht es dabei um ein individuelles Selbstbestimmungsrecht der Frauen, die dadurch noch lange nicht ihren Glauben aufgeben müssten. Vielmehr sollten die Muslima an das weiblich‑islamische Erbe anzuknüpfen und sich selbst mit den islamischen Quellen und der Geschichte des Islam auseinandersetzen. „Es ist an der Zeit, mutig und kompromisslos seine gottgegebenen Rechte einzufordern.“ (18) Diesen Kampf will sie allein mit Worten führen. Dabei ist ihr bewusst, wie steinig dieser Weg ist: „Traut euch! Sprecht die Dinge an, die auch bewegen. Lasst euch nicht einschüchtern, weil ihr damit angeblich den Islam beschmutzt.“ (290) Eine erste Reaktion auf ihr Buch gab es bereits: Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e. V. hat vor dem Landgericht München erwirkt, dass eine Textpassage geschwärzt werden muss. In dieser hatte El Masrar dem Verein Antisemitismus und die Nähe zur Hamas unterstellt.
Jessica Burmester, M. A., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.352.36 Empfohlene Zitierweise: Jessica Burmester, Rezension zu: Sineb El Masrar: Emanzipation im Islam – eine Abrechnung mit ihren Feinden Freiburg i. Br./Basel/Wien: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39762-emanzipation-im-islam--eine-abrechnung-mit-ihren-feinden_48207, veröffentlicht am 16.06.2016. Buch-Nr.: 48207 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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