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Die Klimapolitik der Türkei zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Wolfgang Gieler / Hakan Cetinyilmaz

Die Klimapolitik der Türkei zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Berlin: Lit 2015 (Studien zur internationalen Umweltpolitik 16); 184 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-643-12780-8
Die Bedeutung des anthropogenen Klimawandels erhält seit Längerem in der internationalen Politik zunehmend Aufmerksamkeit. Die Frage der Verantwortlichkeit für das Gros der Treibhausgas‑Emissionen betrifft vor allem die Industriestaaten, doch die schnell wachsenden Ökonomien der Schwellenländer holen im Wettrennen um Wachstum auf. Welche Implikationen sich aus dem schwierigen Verhältnis zwischen Wachstumspolitik und Klima für ein Schwellenland und dessen Klimapolitik ergeben, analysieren Wolfgang Gieler und Hakan Cetinyilmaz anhand des Fallbeispiels Türkei. Das Land mit seinem imposanten Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre hat sich zu einer „der am schnellsten wachsenden energie‑ und treibhausgasintensiven Wirtschaften“ (10) entwickelt und gehört zugleich zu den „am stärksten durch den Klimawandel gefährdeten Ländern“ (22). Dieser Ausgangspunkt hält die Forscher an, die möglichen (nationalen und internationalen) klimapolitischen Einflussfaktoren herauszuarbeiten, um eine systematische Analyse der Klimapolitik der Türkei vornehmen zu können. Wie gestaltet sich die klimapolitische Wirklichkeit in Anbetracht ihrer Ansprüche? Allen voran auf internationaler Bühne scheint die Türkei sich mit dem internationalen Klimaregime zu arrangieren, dabei – wie für Schwellenländer üblich – allerdings unter Verweis beschränkter Verantwortung und notwendiger ökonomischer Entwicklungsressourcen. Bei der Schaffung von rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zur Implementierung von Klimapolitiken sind trotz der Fortschritte noch Defizite festzustellen, auch werden Probleme bei der Umsetzung verbindlicher Zielsetzungen deutlich. Zur Erklärung führen die Forscher an, „dass insbesondere die gegenwärtige Betroffenheit vom Klimawandel und die bisher moderat wahrgenommenen klimatischen Veränderungen noch nicht stark genug ausfallen“ (113 f.). Allerdings beweise die Politik durchaus pragmatische Herangehensweisen, etwa in der Kombination technischer und klimapolitischer Fördermaßnahmen, die auch Innovationen ermöglichten.
René Neumann, M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.632.261 Empfohlene Zitierweise: René Neumann, Rezension zu: Wolfgang Gieler / Hakan Cetinyilmaz: Die Klimapolitik der Türkei zwischen Anspruch und Wirklichkeit Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39470-die-klimapolitik-der-tuerkei-zwischen-anspruch-und-wirklichkeit_47179, veröffentlicht am 03.03.2016. Buch-Nr.: 47179 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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