Portal für Politikwissenschaft

Climate Change Adaptation in South Korea

Susann Schäfer

Climate Change Adaptation in South Korea. Environmental Politics in the Agricultural Sector

Bielefeld: transcript Verlag 2015 (Social and Cultural Geography 7); 261 S.; 44,99 €; ISBN 978-3-8376-3057-2
Susann Schäfer fragt nach dem Umgang Südkoreas mit den prognostizierten Folgen des Klimawandels im Agrarsektor des Landes. Im Fokus stehen dabei von der Regierung auf den Weg gebrachte Anpassungsmaßnahmen (Climate Change Adaptation). Der Ausgangspunkt der Untersuchung ist dabei eine Kritik an der bisher in der Forschung vernachlässigten Mehrebenenperspektive und dem fehlenden kritischen Umgang mit Climate Change Adaptation im Sinne einer politischen Agenda, die von politischen Akteuren zur Durchsetzung ihrer Ziele beziehungsweise Interessen instrumentell eingesetzt wird. Vor diesem Hintergrund betrachtet Schäfer für den Fall Südkoreas das Zusammenspiel nationaler und regionaler Regierungsakteure sowie die Rolle der Bauern als lokale Akteure bei der Umsetzung von klimabezogenen Anpassungsmaßnahmen. Zusammengenommen versteht sie die verschiedenen Akteure als „adaptation‑network“ (17), das sie mittels der Actor‑Network‑Theory untersucht, die ihr einen Brückenschlag zwischen Naturphänomenen wie dem Klimawandel und sozialen Prozessen als Reaktion hierauf ermöglichen soll. Grundlegend ist dabei der Gedanke, dass Erkenntnisse über Naturphänomene im Rahmen von Prozessen wissenschaftlicher Wissensgewinnung entstehen und somit selbst einen sozialen Prozess darstellen. Vor diesem Hintergrund analysiert Schäfer zunächst die wissenschaftliche Debatte über die Climate Change Adaptation und die hierfür in Südkorea grundlegenden Akteure, Politiken und Strategien. Sie stützt sich dabei auf einen von Michel Callon entwickelten fünfschrittigen Ansatz, der von einem Übersetzungsprozess (translation) wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktisch umsetzbare Handlungsempfehlungen ausgeht und unter anderem die Schritte der Problematisierung, der Mobilisierung und der Propagierung durch ein Akteursnetzwerk auf der lokalen Ebene umfasst. Schäfer zeigt dabei letztendlich, wie dieser auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Prozess der Einflussnahme auf die Realitäten und Lebensweisen der in der Landwirtschaft Tätigen dem positivistisch‑wissenschaftlichen Neutralitätspostulat widerspricht. Das Konzept der Climate Change Adaptation sei in seinem Kern normativ, Adaptionsprozesse sollten aber „eher als wertegeleiteter subjektiver denn als ‚neutraler’ positivistischer Weg des Umgangs mit Klimawandel“ (39) verstanden werden.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.682.261 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Susann Schäfer: Climate Change Adaptation in South Korea. Bielefeld: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39205-climate-change-adaptation-in-south-korea_47609, veröffentlicht am 17.12.2015. Buch-Nr.: 47609 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...