Portal für Politikwissenschaft

Ursula Münch / Heinrich Oberreuter (Hrsg.), unter Mitarbeit von Jörg Siegmund

Die neue Offenheit. Wahlverhalten und Regierungsoptionen im Kontext der Bundestagswahl 2013

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015; 388 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-593-50161-1
Dieser Sammelband zur Bundestagswahl 2013, die bereits Gegenstand mehrerer Publikationen war (siehe etwa die Buch‑Nr. 45819, 46547 und 46934), enthält unter anderem quantitative Studien zum Wahlverhalten, Analysen des Wahlkampfes und der Medienberichterstattung sowie persönliche Einschätzungen der längerfristigen Konsequenzen des Wahlausgangs. Mit dem Problem der Mehrheitsfindung im deutschen Parteiensystem beschäftigt sich Ralf Tils. Es sei durch die Abwahl der FDP, das unerwartet schlechte Abschneiden der Grünen und die Anschlusslosigkeit der Linkspartei entstanden. Alternativen zur Großen Koalition seien möglich, wenn sich die „Grundstimmung der Deutschen“ (173) verändere und der Wunsch nach dem Erhalt des Status quo in Unzufriedenheit umschlage oder aber, wenn das bürgerliche Lager erstarke (erweitert durch die Repräsentanz der AfD im Bundestag), sich die Linkspartei grundlegend wandele oder es zu lagerübergreifenden Koalitionen auf Bundesebene komme. Andernfalls hält der Autor Bündnisse zwischen den Unionsparteien und der SPD für die einzig realistische Mehrheitsoption. Ulrich von Alemann sieht in der Wahl 2013 ein „Realignment der deutschen Parteienlandschaft“ (354) und erkennt – zumindest teilweise – einen Widerspruch zur vorherrschenden Dealignment‑These: 2013 ist die Wahlbeteiligung leicht gestiegen, der Anteil der Volksparteien um 12 Prozentpunkte gewachsen und eine „weitere Fragmentierung des Bundestags [...] vorläufig gestoppt“ (356) worden. Tim Spier fragt, unter welchen Umständen die Bildung von Großen Koalitionen auf der Länderebene wahrscheinlicher wird. Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Wenn Fragmentierung, Volatilität, Asymmetrie und die Abwesenheit von alternativen Lagerkoalitionen in ein Regressionsmodell einbezogen werden, erweist sich nur die Variable „Anteil nicht‑koalitionsfähiger Parteien“ als statistisch signifikant. Aus den Resultaten schließt Spier, dass „Große Koalitionen [...] keine Wunschkoalitionen, sondern Zweckbündnisse [sind], um andere Koalitionsoptionen zu umschiffen“ (385). Viola Neu untersucht Wahlkampfstrategien und findet keine direkte Evidenz für die These der „asymmetrische[n] Demobilisierung“ (149) der CDU. Anhand von Meinungsumfragen und Wählerwanderungen sei „es [...] nicht gelungen, diesen Effekt nachzuweisen“ (163 f.). Wer an einer verständlichen und übersichtlichen Zusammenfassung und Einordnung der Bundestagswahl 2013 interessiert ist, dem ist der Sammelband uneingeschränkt zu empfehlen.
Stefan Müller, M. Sc., Doktorand, Department of Political Science, Trinity College Dublin.
Rubrizierung: 2.3322.3312.3252.3332.322 Empfohlene Zitierweise: Stefan Müller, Rezension zu: Ursula Münch / Heinrich Oberreuter (Hrsg.), unter Mitarbeit von Jörg Siegmund: Die neue Offenheit. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39063-die-neue-offenheit_46302, veröffentlicht am 12.11.2015. Buch-Nr.: 46302 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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