Portal für Politikwissenschaft

Grundmuster der Verwaltungskultur

Klaus König / Sabine Kropp / Sabine Kuhlmann / Christoph Reichard / Karl-Peter Sommermann / Jan Ziekow (Hrsg.)

Grundmuster der Verwaltungskultur. Interdisziplinäre Diskurse über kulturelle Grundformen der öffentlichen Verwaltung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014; 630 S.; brosch., 148,- €; ISBN 978-3-8487-1463-6
Wer auf der Suche nach einem fundierten State of the Art der deutschen Verwaltungswissenschaft ist, sollte diesen Band zur Hand nehmen. Bei den 26 Beiträgen handelt es sich um Vorträge, die im Rahmen mehrerer Symposien am Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer seit 2006 von namhaften Vertretern des Faches gehalten wurden. An die Einführung von Klaus König schließen sich Beiträge über diverse Aspekte des legalistischen Moments der Verwaltung an. So problematisieren Rudolf Fisch und Burkhard Margies das Wechselverhältnis zwischen Verwaltungskultur und ‑sprache. Wollte man die durch Hierarchie und juristische Präzision gekennzeichnete Terminologie der Verwaltung „bürgernäher, verständlicher, vielleicht auch gefälliger gestalten“, so „müssten sich auch bestimmte Aspekte der Verwaltungskultur verändern“ (78). Daniela Winkler setzt sich hingegen mit Handlungsstrategien der Verwaltung in Ungewissheitssituationen auseinander, die im Zuge der fortschreitenden Globalisierung ein Dilemma begründeten. Denn „bei zunehmender Komplexität und Dynamik“ komme es zu einer „Relativierung des gesetzlichen Steuerungsanspruchs“ (82) und in der Folge trete an die Stelle von „Scientific Governance“ eine neue Form von „reflexive[r] oder adaptive[r] Governance“ (83), die entsprechende Auswirkungen auf die Verwaltungen habe. Teil III vereint vier Beiträge zur managerialistischen Verwaltungskultur. Neben den eher positiven Bestandsaufnahmen von Kuno Schedler und Christoph Reichard beeindruckt vor allem Eckhard Schröter mit seiner kritischen Auseinandersetzung mit der New‑Public‑Management‑Bewegung, da er sich in überzeugender Weise auf einschlägige demokratietheoretische Ansätze stützt. In Abschnitt IV geht es dann um die Facetten, die das Verhältnis zwischen Verwaltung und Bürgern aufweist. Besonders Jörg Bogumils empirisch unterfütterter Aufsatz zur Wahrnehmung und Annahme des Modells der „Bürgerkommune“ durch eben diese leistet einen Beitrag zur Versachlichung des Diskurses über die demokratietheoretischen Potenziale solcher Projekte. Der letzte Teil des Buches dient dem Blick über den Tellerrand. Sabine Kuhlmann liefert dazu eine hilfreiche Typologie zur Charakterisierung von Verwaltungsmodellen unterschiedlicher Staaten. Christoph Knill setzt sich dann mit der Frage einer möglichen Europäisierung der Verwaltung auseinander – ebenfalls ein unerlässlicher Aspekt, wenn man ein Gefühl dafür bekommen will, wie stark die vermeintlich verstaubten Verwaltungen der öffentlichen Hand in den vergangenen drei Dekaden in Bewegung geraten sind.
Henrik Scheller, Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.212.22.322.3222.3252.61 Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Klaus König / Sabine Kropp / Sabine Kuhlmann / Christoph Reichard / Karl-Peter Sommermann / Jan Ziekow (Hrsg.): Grundmuster der Verwaltungskultur. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39013-grundmuster-der-verwaltungskultur_46392, veröffentlicht am 29.10.2015. Buch-Nr.: 46392 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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