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Regionale Kriege und lokale Ordnungen im Nahen Osten: Irak, Palästina und neue Herrschaftsformen in Jordanien

André Bank

Regionale Kriege und lokale Ordnungen im Nahen Osten: Irak, Palästina und neue Herrschaftsformen in Jordanien

Online-Publikation 2013 (http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2013/0725/pdf/dab.pdf); IX, 272 S.
Diss. Marburg; Begutachtung: R. Ouaissa, B. Meyer. – André Bank widmet sich den nahöstlichen Kriegen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts vor Beginn des Arabischen Frühlings. Ihn interessieren dabei die grenzüberschreitenden Wirkungen dieser Kriege sowie die Prozesse lokaler Ordnungsbildung. So haben sich beispielsweise infolge des Irakkriegs ein sozialstrukturell‑demografischer Wandel und eine Änderung der ökonomischen Grundstrukturen in der Region ergeben. Denn neben den rund zwei Millionen irakischen Binnenflüchtlingen sind über zwei Millionen Iraker aus ihrem Land geflüchtet. Diese erhebliche Bevölkerungsverschiebung bleibe nicht folgenlos für das gesellschaftliche Gefüge, so der Autor. Dennoch seien die jeweiligen nationalen Politikebenen im arabischen Nahen Osten „mit ihrer Dominanz autoritärer Regime [...] weitgehend unberührt geblieben“. Zu einem „Domino‑Effekt der Demokratisierung“, den erhofften „‚changes in regimes“ (4), wie von US‑Think Tanks prognostiziert, sei es nicht gekommen. Außerdem seien „im Nahen Osten Ansätze einer vom Irak ausgehenden Kriegswirtschaft erkennbar, die insbesondere ins jordanische Amman, in den West‑ und Südiran sowie in die arabischen Golfstaaten, vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, reichen“ (3). In drei Fallstudien überprüft er die zentrale Frage nach den Mustern lokaler Ordnungsbildung entlang von vier Analysedimensionen („Territorialität, Sinnstiftung, Gewaltkontrolle, materielle Reproduktion“ [8]) und konzentriert sich auf Jordanien. Der im Norden gelegenen, palästinensisch beeinflussten Hauptstadt Amman stellt er die südjordanische, tribal geprägte Provinzstadt Ma’an gegenüber. Amman ist sowohl durch den Palästinakonflikt als auch den Irakkrieg betroffen. Zur Durchführung dieser Fallstudien hat Bank rund 50 Interviews während zweier Feldforschungsaufenthalte (2006 und 2007) geführt. Im Ergebnis zeige sich unter anderem die Wirkungsintensität sowohl des Palästinakonflikts als auch des Irakkriegs auf die Analysedimension der Gewaltkontrolle der lokalen Ordnungen in Amman und Ma’an, so Bank. Die sichtbar gewordene Relevanz der Dimension der Gewaltkontrolle verdeutliche eine Erkenntnis der Transitions‑ und Autoritarismusforschung, nämlich die Bedeutung der Kontrolle über die Gewaltmittel für die autoritäre Regimestabilität. Dieser Aspekt sei in der regimezentrierten Forschung bisher lediglich für die nationale, nicht jedoch für die lokale Ebene nachgewiesen worden.
Sabine Steppat, Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.54.412.63 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: André Bank: Regionale Kriege und lokale Ordnungen im Nahen Osten: Irak, Palästina und neue Herrschaftsformen in Jordanien 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38918-regionale-kriege-und-lokale-ordnungen-im-nahen-osten-irak-palaestina-und-neue-herrschaftsformen-in-jordanien_46753, veröffentlicht am 01.10.2015. Buch-Nr.: 46753 Rezension drucken

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