Portal für Politikwissenschaft

Politisches Denken. Jahrbuch 2013

Volker Gerhardt / Clemens Kauffmann / Hans-Christof Kraus / Reinhard Mehring / Henning Ottmann / Martyn P. Thompson / Barbara Zehnpfennig (Hrsg.)

Politisches Denken. Jahrbuch 2013

Berlin: Duncker & Humblot 2013; 251 S.; 59,90 €; ISBN 978-3-428-14210-1
Das von der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens (DGEPD) herausgegebene Jahrbuch enthält einen besonderen Schwerpunkt. Aus Anlass des fünfzigsten Todestages von Eduard Spranger befassen sich sechs Abhandlungen mit der heutigen Bedeutung der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, zu deren Vertretern – neben Spranger – hauptsächlich Theodor Litt, Herman Nohl und Wilhelm Flitner gehörten. Diese in der phänomenologischen Tradition stehenden Ansätze entfalteten ihre Wirkung auf die akademische Pädagogik zunächst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts und dann erneut – nach 1945 – bis in die 1960er‑Jahre. Der Titel dieses Schwerpunktthemas „Vom Ende der ‚geisteswissenschaftlichen Pädagogik‘“, das aus einem von Reinhard Mehring organisierten Symposium hervorgegangen ist, signalisiert das Bemühen um die Re‑Aktualisierung einer Tradition, für die in der gegenwärtigen Erziehungswissenschaft – wie Detlef Garz in seinem wissenschaftssoziologischen Beitrag überzeugend zeigt – wenig Anschlussmöglichkeiten bestehen. Gleichwohl erfolgt die Berufung auf Sprangers Bildungsbegriff – explizit bei Reinhard Mehring und Georg Zenkert – als nachdrückliche Kontrastierung gegenüber einer modernen Bildungskonzeption, die von einer Verwissenschaftlichung der Lehrerausbildung geprägt ist und sich kurzschlüssig auf die Stärkung von Employability und gesellschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit ausrichtet. Mit den Folgen einer zunehmenden Ökonomisierung des Bildungssektors setzt sich auch Gerd Hepp – allerdings ohne Bezug auf Spranger – sehr kritisch und in vielen Aspekten zutreffend (PISA; Bologna‑Reform) auseinander. Unter den sonstigen Abhandlungen dominieren ideengeschichtliche Themen, dazu zählen Henning Ottmanns „Geschichte des politischen Denkens“ (Clemens Kauffmann), ein Vergleich von Eric Voegelin und Karl Löwith (Bruno Godefroy) und neuere Studien zu Schillers Verständnis vom Rechtsstaat (Hasso Hofmann). Sehr anregend fallen Hans‑Jörg Sigwarts Überlegungen zur Gegenstandsbestimmung einer verstehenden Politikwissenschaft aus, die sich an Charles Taylor anschließend mit der Frage einer hermeneutischen Logik der Praxis der Politik befasst.
Thomas Mirbach, Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.1 | 5.2 | 5.41 | 5.46 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Volker Gerhardt / Clemens Kauffmann / Hans-Christof Kraus / Reinhard Mehring / Henning Ottmann / Martyn P. Thompson / Barbara Zehnpfennig (Hrsg.): Politisches Denken. Jahrbuch 2013 Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38064-politisches-denken-jahrbuch-2013_45753, veröffentlicht am 12.02.2015. Buch-Nr.: 45753 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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