Portal für Politikwissenschaft

Volksherrschaft – Wunsch und Wirklichkeit

Uwe Justus Wenzel (Hrsg.)

Volksherrschaft – Wunsch und Wirklichkeit

Zürich: Neue Zürcher Zeitung 2014; 152 S.; 33,- €; ISBN 978-3-03823-845-4
Für „Das Projekt ‚Volksherrschaft‘“, eine Serie der Neuen Zürcher Zeitung, konnten namhafte Autorinnen und Autoren gewonnen werden. Dieser Band enthält 27 ihrer Essays, die zumeist zwischen Frühjahr 2012 und Sommer 2013 im Feuilleton der Zeitung erschienen sind. Zu Wort kommen unter anderen Herfried Münkler, Jürgen Habermas, Christoph Möllers, Adolf Muschg, Hermann Lübbe, Claus Leggewie und Otfried Höffe. Es kommt zu einigen Wiederholungen und Überschneidungen der einzelnen Argumentationen, was sich bei einer Feuilleton‑Serie aber nicht vermeiden lässt. Insgesamt zeichnet sich die Mehrheit der Beiträge durch eine eher konservativ‑realistische Haltung gegenüber den derzeit diagnostizierten Herausforderungen und Krisen der Demokratie aus. So stellt etwa Münkler fest: „Der ‚Wutbürger‘, von dem zuletzt häufig die Rede war, ist das Produkt seiner eigenen überzogenen Erwartungen“ (23). Mark Lilla schreibt analog dazu: „Wir sind derzeit Zeugen einer weltweiten Revolution steigender Erwartungen, die keine Regierungsform, geschweige denn eine historisch so besondere und gesellschaftlich derart komplexe wie die Demokratie, je erfüllen können wird“ (28). Ebenso wie die These von der Postdemokratie ist auch diese Antwort inhaltlich hinlänglich aus Debatten der 1960er‑ und 1970er‑Jahre bekannt. Das macht das Argument natürlich nicht falsch. Insgesamt hätte der Band jedoch pluralistischer ausgestaltet werden können, insbesondere vor dem Hintergrund der theoretischen Diskussion über radikal‑ oder digitaldemokratische „Erneuerungen“ der Demokratie. Natürlich werden auch in diesem Band Ergänzungen der bestehenden demokratischen Institutionen vorgeschlagen. So plädiert etwa Claus Leggewie für Bürgerhaushalte und eine Stärkung des kritischen Konsumententums. Gerade die Feuilleton‑Debatte hätte jedoch die Möglichkeit zu einer grundsätzlicheren Auseinandersetzung mit abweichenden Demokratieparadigmen geboten, die dann auch geeignet wäre, die eigene Position zu schärfen. Dennoch handelt es sich insgesamt um einen empfehlenswerten Band, der Argumentationsmuster transparent aufbereitet sowie Aufschluss über so manche Ideenlosigkeit und Stagnation der Demokratiedebatte liefert.
Markus Linden, Dr., Politikwissenschaftler, Forschungszentrum Europa an der Universität Trier, Abteilung "Partizipation und Ungleichheit".
Rubrizierung: 2.2 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Uwe Justus Wenzel (Hrsg.): Volksherrschaft – Wunsch und Wirklichkeit Zürich: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38015-volksherrschaft--wunsch-und-wirklichkeit_44971, veröffentlicht am 29.01.2015. Buch-Nr.: 44971 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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