Portal für Politikwissenschaft

Bedingungsloses Grundeinkommen

Karl Reitter

Bedingungsloses Grundeinkommen. INTRO. Eine Einführung

Wien: Mandelbaum Verlag 2012 (kritik & utopie); 104 S.; 10,- €; ISBN 978-3-85476-609-4
Karl Reitter attackiert in seinem kurzen Einführungsband die landläufigen Einwände gegen die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Argumente für eine unmögliche Finanzierbarkeit, unabschätzbare Nebenfolgen und Ungerechtigkeit des Grundeinkommens werden sauber in ihre einzelnen, mitunter ideologischen Bestandteile zerlegt und präzise gekontert. So rechnet Reitter die nötige Staatsquote vor und kommt zum Schluss, dass nicht mehr als „etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts“ (45) für ein Grundeinkommen aufgewendet werden müsste – was somit durchaus im Bereich des Machbaren liege. Dem Argument, die Arbeitsleistung einer Volkswirtschaft würde durch die Ersetzung von Lohnarbeitszwang durch Grundeinkommen dramatisch sinken, hält der Autor Erhebungen entgegen, die klar machten, dass „notwendige Arbeitsleistung keinesfalls ausschließlich oder auch nur überwiegend im Lohn‑ und Erwerbssektor geleistet wird“ (56), sondern jenseits des Arbeitsmarkts durch unbezahlte Hausarbeit. Damit konfrontiert er die Grundeinkommensgegner gekonnt mit ihrem methodologischen Individualismus, durch den leicht geschlechter‑ und klassenspezifische Ungleichheiten im herkömmlichen Lohnarbeitssystem zugedeckt werden. Über diese Argumentation wird die Grundeinkommensdiskussion auch für andere Debatten über gesellschaftliche Alternativen zugänglich gemacht. Der Band identifiziert einige solcher Schnittpunkte mit anderen Diskursen – angesichts der absehbar notwendigen räumlichen Grenzen einer Grundeinkommensregelung vor allem mit der Auseinandersetzung um Migration –, um auch jenseits der traditionellen politischen Achsen wirksam zu werden. Enthalten ist außerdem ein kurzer Abschnitt über gegenwärtige reale staatliche Experimente und Versuche mit Grundeinkommensmaßnahmen. Reitter definiert hier das Grundeinkommen zwar „unter dem Strich“ als Umverteilung „zu Gunsten der Massen“ (54), erklärt aber nicht, warum ausgerechnet eine Grundeinkommensbewegung da erfolgreich sein könnte, wo andere verteilungspolitische Interventionen an ihre Grenzen stoßen.
Florian Geisler, B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.2622.222.4 Empfohlene Zitierweise: Florian Geisler, Rezension zu: Karl Reitter: Bedingungsloses Grundeinkommen. Wien: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37267-bedingungsloses-grundeinkommen_42344, veröffentlicht am 10.07.2014. Buch-Nr.: 42344 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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