Portal für Politikwissenschaft

Thomas M. Bohn / Rayk Einax / Julian Mühlbauer (Hrsg.)

Bunte Flecken in Weißrussland. Erinnerungsorte zwischen polnisch-litauischer Union und russisch-sowjetischem Imperium

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2013 (Historische Belarus-Studien 1); 231 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-447-10067-0
Kultur, Geschichte und zeitgenössische Politik von Weißrussland/Belarus erscheinen in der deutschen Öffentlichkeit allzu häufig als eine Art weißer Fleck. Die Belarus‑Arbeitsgruppe an der Justus Liebig‑Universität Gießen hat es sich mit zur Aufgabe gemacht, diesen Fleck mit Farbe zu füllen. Aus einem Treffen der Gruppe im November 2011 resultiert dieser Band, der die Reihe Historische Belarus‑Studien unter der Herausgeberschaft des Gießener Osteuropahistorikers Thomas Bohn eröffnet. Ähnlich wie ein in diesem Umfeld entstandener früherer, thematisch verwandter Band (siehe Buch‑Nr. 41498) versammelt er eine Reihe von allgemein verständlich angelegten, meist knapp gefassten Essays und Reportagen, die aktuelle Fragestellungen der Belarus‑Forschung einführend vorstellen und zum Großteil von Nachwuchswissenschaftlern beigetragen wurden. Die Herausforderungen einer Beschäftigung mit Land und Region werden bereits an der terminologischen Problematik deutlich: „Als kleinster gemeinsamer Nenner aller Autorinnen und Autoren kann die Unterscheidung zwischen der Republik Belarus als Ausdruck der staatlichen Sphäre und Weißrussland als Bezeichnung für die Region dienen. Während ,belarussisch' und ‚Belarus' ein Bekenntnis zu Sprache und Kultur suggerieren, implizieren ‚belorussisch' und ,Belorussland' eine sowjetische Zuschreibung.“ (10) Der im Untertitel hergestellte Bezug zum Konzept der Erinnerungsorte findet sich in den Einzelbeiträgen, die Fragen von Identität und Europäizität seit der Frühen Neuzeit behandeln, nicht immer explizit. Die Historikerin Ekaterina Keding befasst sich mit dem Partisanenmythos als historischer Meistererzählung der Belorussischen Sozialistischen Sowjetrepublik nach 1945 – der Partisanenbewegung sei die Rettung des Landes vor der NS‑Besatzung zu verdanken – und deren zeitgenössischen Aktualisierungen. Einerseits dient der Mythos als Legitimationsmuster des herrschenden Regimes, anderseits hat er auch eine belarussisch‑nationale Ausdeutung durch oppositionelle Kräfte erfahren. Iryna Kashtalian berichtet über ein Projekt zur Errichtung eines nationalen Oral History‑Archivs, das Zeitzeugenstimmen zur verwickelten Geschichte der Region im 20. Jahrhundert sammeln und damit zur historischen Bildung beitragen soll.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.622.222.232.252.3422.343 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Thomas M. Bohn / Rayk Einax / Julian Mühlbauer (Hrsg.): Bunte Flecken in Weißrussland. Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37155-bunte-flecken-in-weissrussland_45338, veröffentlicht am 05.06.2014. Buch-Nr.: 45338 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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