Ralph L. Dietl

Equal Security. Europe and the SALT Process, 1969-1976

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2013 (Historische Mitteilungen, Beihefte 85); 251 S.; 49,- €; ISBN 978-3-515-10453-1
Die klassische Erzählung des Kalten Kriegs will es, dass die Spaltung der Welt in zwei Blöcke vor allem vor dem Hintergrund des Ringens zweier Supermächte – den USA und der Sowjetunion – verstanden werden muss. Angesichts der bipolaren Weltordnung werden den Verbündeten auf beiden Seiten zwar eigene Interessen und daraus entstehende abweichende politische Positionen zuerkannt, es bleiben aber die Supermächte als deren Schutzmächte die tatsächlich bestimmenden Faktoren für die Gestalt und Zukunft der Weltordnung. Dass dies keineswegs immer der Fall war, zeigt Ralph L. Dietl mit seiner Analyse der europäischen Einflussnahme auf den Prozess der Strategic Arms Limitation Talks (SALT) in der Ära Nixon‑Ford (1969 bis 1976). Für Dietl förderten die SALT‑Gespräche einen grundsätzlichen Zielkonflikt zu Tage. Dabei kollidierte die Einigung zwischen den Supermächten als Schritt zur Festigung der internationalen systemischen Stabilität mit den Verpflichtungen der USA zur Solidarität innerhalb der NATO. Letztere wurde von europäischer Seite als maßgeblich für die Sicherheit des Kontinents und die europäische Einheit bewertet. Die Kernfrage, die laut Dietl mit SALT aufkam, war somit, ob „globale und europäische Sicherheit miteinander kompatibel waren“ (11). Um aufzuzeigen, was für den europäischen Teil der Allianz auf dem Spiel stand, analysiert der Autor die diplomatischen Mittel und Verhandlungsforen, die von europäischer Seite zur Einflussnahme und Verteidigung der eigenen Interessen genutzt wurden. Zu diesem Zweck wird der Verlauf der Verhandlungen mit Hilfe bekannter und bisher unzugänglicher Akten und Aufzeichnungen aller beteiligten Staaten akribisch rekonstruiert. So entsteht ein detailliertes und differenziertes Bild der unterschiedlichen Positionen während der SALT I‑ und SALT II‑Verhandlungen. Dass die europäischen NATO‑Staaten dabei auch innerhalb der Regierung und des US‑Kongresses Unterstützer für ihre Positionen finden konnten, ist dabei nur einer von vielen Aspekten, die Dietl aus der überaus komplexen Interessenslage herausarbeitet.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.14.41 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Ralph L. Dietl: Equal Security. Stuttgart: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37033-equal-security_45288, veröffentlicht am 30.04.2014. Buch-Nr.: 45288 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken