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KSZE-Prozess und Perestroika in der Sowjetunion

Yuliya von Saal

KSZE-Prozess und Perestroika in der Sowjetunion. Demokratisierung, Werteumbruch und Auflösung 1985-1991

München: Oldenbourg Verlag 2014 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 100); X, 404 S.; 54,95 €; ISBN 978-3-486-70510-2
Diss. Erlangen‑Nürnberg; Begutachtung: H. Altrichter, S. Karner. – Die Arbeit ist Teil des am Institut für Zeitgeschichte München‑Berlin angesiedelten Projektes „Der KSZE‑Prozess: Multilaterale Konferenzdiplomatie und ihre Folgen (1975‑1989/91)“ (siehe Buch‑Nr. 42250). Yuliya von Saal untersucht die Zusammenhänge von KSZE‑Prozess und der Reformpolitik unter Michail Gorbatschow seit 1985. Angesichts einer in den historischen Wissenschaften erst allmählich in Gang kommenden Beschäftigung mit den Auswirkungen der Konferenz von Helsinki (1973‑1975) will von Saal „einen bisher unterbelichteten Aspekt der Ost‑West‑Beziehungen in die vorliegenden Erklärungen und Interpretationen einbeziehen sowie auf die Komplexität und die Verzahnung verschiedener Faktoren aufmerksam machen, die sich gegenseitig ergänzten und in ihrer Wirkung verstärkten.“ (8) Dies geschieht auf einer umfangreichen Basis aus staatlichen Archivüberlieferungen (soweit bereits zugänglich), Presseerzeugnissen, Memoiren, gedruckten Quellensammlungen, Interviews und der Forschungsliteratur. Anknüpfend an konstruktivistische Theorien der Internationalen Beziehungen sieht von Saal staatliches Handeln als normengeleitet an. Die Wirkungsgeschichte der Helsinki‑Konferenz wird als soziokulturelles Handeln verstanden. Einzelne Aspekte des KSZE‑Prozesses wurden demnach durch Gorbatschow und seinen Apparat in den politischen Prozess der späteren Sowjetunion eingebracht, aber zunehmend durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen getragen und verstärkt. Diese beiden Akteursebenen – der sowjetische Parteistaat und die sich in der Mitte der 1980er‑Jahre zunehmend herausbildenden informellen Vereinigungen auf der Graswurzelebene – stehen im Zentrum der chronologischen Darstellung. Saal resümiert, „dass die KSZE in einer lang‑ und kurzfristigen Perspektive indirekt und unmittelbar die Liberalisierungsprozesse der Perestroika dynamisierte und damit zur Auflösung des Sowjetstaates sowie dem Ende des Kalten Krieges […] beitrug.“ (358)
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.62 | 2.2 | 4.3 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Yuliya von Saal: KSZE-Prozess und Perestroika in der Sowjetunion. München: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36545-ksze-prozess-und-perestroika-in-der-sowjetunion_44876, veröffentlicht am 19.12.2013. Buch-Nr.: 44876 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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