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Studies in Economics and Policy Making: Central and Eastern European Perspectives

William T. Bagatelas / Getnet Tamene / David Reichardt / Bruno S. Sergi (Hrsg.)

Studies in Economics and Policy Making: Central and Eastern European Perspectives

Opladen/Farmington Hills: Budrich UniPress Ltd. 2010; 220 S.; 18,99 €; ISBN 978-3-940755-66-7
Die Herausgeber verfolgen mit diesem Sammelband ein überaus ambitioniertes Ziel, wie gleich zu Beginn der Einleitung nachdrücklich dargestellt wird: „Our goal is to achieve the following: To create an objective, comprehensive, and analytical framework regarding economic policymaking as a user friendly source of information […] to allow the public, media, governments, corporations large and small, NGOs and other institutions/organizations, immediate access to objective and broader economic interpretation.“ (13) Die gegenwärtige Wirtschaftskrise beruhe vor allem darauf, dass die Politik kein ausreichendes Verständnis für langfristige ökonomische Prozesse vorweisen könne. – Wenn Ökonomen ihre eigene Darstellung, vor allem im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen, als objektiv verkaufen, macht dies in der Regel zunächst stutzig: Sollte nicht der Sinn und Zweck einer ökonomischen Aufklärung, wie sie hier verfolgt wird, gerade darin bestehen, dem Leser ein Verständnis davon zu vermitteln, dass Wirtschaftspolitik eben nicht objektiv sein kann, sondern vielmehr immer bestimmte Interessen stärker bedient, während andere stärker vernachlässigt werden? Eine gute Wirtschaftspolitik wäre demzufolge eine, die sich dieses Konfliktes bewusst wäre und sich vor diesem Hintergrund um einen Vermittlungsprozess bemüht, statt dem Glauben an die Interessenneutralität zu verfallen. Konsequenterweise sind auch die Beiträge dieses Bandes nicht objektiv, sondern teilen die grundlegende Kritik an einem angebotsorientierten ökonomischen Dogma und lassen sich allesamt im weitesten Sinne einer keynesianischen Denktradition zuordnen. Kritisch diskutiert werden in den einzelnen Beiträgen unter anderem die Entwicklungspolitik und (durch den Freihandel verursachte) globale Ungleichheiten, regionalpolitische ökonomische Ansätze, die nachhaltige Entwicklung, die Bedeutung eines quantitativ‑qualitativen Methodenmixes oder die Notwendigkeit ethischer Standards in der Werbung. Tamene zeigt in einem interessanten Beitrag die wachsende Bedeutung von Wissensmanagement vor dem Hintergrund der Globalisierung auf. Die im Titel des Buches genannten „Central and Eastern European Perspectives“ beziehen sich hingegen vor allem auf die Herkunft der Autoren – angesichts der westlichen Dominanz auch in der Wirtschaftstheorie ist dies jedoch ein gleichermaßen interessanter wie erfrischender Aspekt, wie auch die einzelnen Beiträge viele neue Perspektiven bieten, die zum Nach‑ und Weiterdenken anregen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.43 | 4.44 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: William T. Bagatelas / Getnet Tamene / David Reichardt / Bruno S. Sergi (Hrsg.): Studies in Economics and Policy Making: Central and Eastern European Perspectives Opladen/Farmington Hills: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34324-studies-in-economics-and-policy-making-central-and-eastern-european-perspectives_41197, veröffentlicht am 02.05.2013. Buch-Nr.: 41197 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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