Portal für Politikwissenschaft

George Frost Kennan und der Kalte Krieg

A. Kai-Uwe Lange

George Frost Kennan und der Kalte Krieg. Eine Analyse der Kennanschen Variante der Containment Policy

Münster: Lit 2001 (Texte zu Politik und Zeitgeschichte 3); 358 S.; geb., 30,90 €; ISBN 3-8258-5436-1
Diss. Marburg; Gutachter: H. K. Rupp, Th. Noetzel, W. von Bredow. - Der Verfasser versucht in dieser detaillierten Analyse von Kennans Schriften dem verbreiteten Urteil entgegenzutreten, dieser habe in seiner langen Karriere völlig konträre Auffassungen vertreten. Ins Zentrum seiner Überlegungen stellt Lange die These, dass Kennans Machtbegriff nicht auf Webers berühmte Definition zurückgehe, sondern eher auf Karl W. Deutsch. Für Kennan setze nationale Macht „eine kritische Selbstreflexion der nationalen Fähigkeiten und Ansprüche im internationalen System sowie ein auf den Befund dieser Selbstreflexion ausgerichtetes Verhalten der Gesellschaft voraus" (2). Die Studie ist nach der allgemeinen Darstellung des Forschungsstandes über Kennan im Wesentlichen dreigeteilt: Zunächst beschreibt Lange die abstrakten anthropologischen und staatstheoretischen Vorstellungen Kennans um zu zeigen, dass zwischen beiden eindeutige Verbindungen erkennbar sind. Er habe „implizit genau seine individualethischen Prämissen auf das außenpolitische Verhalten der USA übertragen" (7). Danach untersucht Lange Kennans historische Schriften, um schließlich vor diesem Hintergrund seine politischen Analysen und Konzeptionen zu erörtern. Auch dieses Kapitel ist chronologisch geordnet. Im Zentrum stehen Kennans Ansichten zur Deutschlandpolitik, zur Japanpolitik und zur Detente-Politik. Lange kommt zu dem Schluss, dass Kennans Denken durchaus kohärent gewesen sei. Er habe stets die Abweichungen der US-Außenpolitik von seinem theoretischen Ideal registriert. Seine Kritik an der amerikanischen Politik sei darauf zurückzuführen, dass sie nie „das ideale Maß zwischen legitimer Interesseneröffnung und notwendiger Interessenbeschränkung" (325) gefunden habe.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: A. Kai-Uwe Lange: George Frost Kennan und der Kalte Krieg. Münster: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/18249-george-frost-kennan-und-der-kalte-krieg_21101, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21101 Rezension drucken

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