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Aus den Denkfabriken

Im Fokus: Russland und Eurasien
Eine kommentierte Auswahl von Forschungsprogrammen und fortlaufender Berichterstattung

MataroschkaDie große weltpolitische Bedeutung Russlands zeigt sich auch im Ausmaß der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Innen- und Außenpolitik dieses Landes. Mehrere namhafte Think-Tanks veröffentlichen nicht nur in loser Folge Analysen, sondern haben Russland eigene Themendossiers oder Forschungsprogramme gewidmet. Auffällig ist, dass dabei das Land und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion oftmals zusammengefasst werden, der eigentliche Fokus aber auf Moskau liegt. Die Verschiedenheiten im postsowjetischen Raum, vor allem in Zentralasien, liegen damit eher außerhalb des Blickfeldes. Problematisiert werden könnte in diesem Kontext auch die Fortschreibung der Ukraine als Teil dieses Raums – entgegen der Intention vieler Ukrainerinnen und Ukrainer, ihr Land als Teil (des westlichen) Europas begreifen zu wollen.
Die Auswahl der hier vorgestellten Think-Tanks orientiert sich an dem Ranking im „2015 Global Go To Think Tank Index Report“, vorgelegt von James M. McGann, University of Pennsylvania. Berücksichtigung haben vor allem jene Think-Tanks gefunden, die beim globalen Ranking auf den vorderen Plätzen liegen und sich intensiver mit Russland beschäftigen.

Amnesty International
Die unabhängige Organisation, die sich weltweit für die Menschenrechte einsetzt, ist eine Quelle für Informationen über die Verletzungen der Menschenrechte in und durch Russland, zum Beispiel in der Ukraine oder in Syrien.
https://www.amnesty.org/en/

Brookings Institution
Der unabhängige Think-Tank mit Sitz in Washington D.C. bietet unter den Rubriken „Russia“ und „Russia & Eurasia“ in loser Reihenfolge Beiträge seiner Experten an, ein Schwerpunkt liegt auf den außenpolitischen Beziehungen Russlands und auf seiner Stellung im internationalen Machtgefüge.
https://www.brookings.edu/topic/russia/
https://www.brookings.edu/topic/russia-eurasia/

Carnegie Endowment for International Peace
Die unabhängige Stiftung, die mit Standorten in Washington D.C., Brüssel, Moskau, Beirut, Neu Dehli und Peking vertreten ist, zählt zu einem der Schwerpunkte ihrer Arbeit „Russia and Eurasia“. Veröffentlicht werden in diesem Dossier Meinungsartikel, wissenschaftliche Papiere und Beiträge der Experten in verschiedenen Medien. Hervorzuheben ist, dass zu diesen Experten – befördert durch die Dependance in Moskau – auch russische Fachleute zählen.
http://carnegieendowment.org/programs/russia/

Center for Strategic and International Studies
Das Forschungsinstitut, vor über 50 Jahren in Washington D.C. gegründet, widmet sein „Russia and Eurasia Program“ politischen, wirtschaftlichen, sozialen und außenpolitischen Themen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (Russland, Ukraine, Belarus, Moldova, Kaukasus-Region und Zentralasien). Die Analysen richten sich nach Selbstauskunft an Regierungen, NGOs, den privaten Sektor und die Öffentlichkeit. Die Beiträge erscheinen in loser Reihenfolge und spiegeln nicht unbedingt den aktuellen Stand.
https://www.csis.org/programs/russia-and-eurasia-program

Chatham House
Das unabhängige Institut mit Sitz in London bündelt seine Veröffentlichungen über Russland im „Russia and Eurasia Programme“, das seinen Vorläufer im 1986 begründeten „Soviet Foreign Policy Programme“ hat. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion werden kontinuierlich außen- wie innenpolitische Themen analysiert, die nicht nur Russland betreffen, sondern auch die anderen Nachfolgestaaten. Das Programm ist in mehrere Projekte gegliedert („Russia's Domestic Politics“, „Russian Foreign Policy“, „Ukraine Forum“ etc.), was einen schnellen Zugang zu einzelnen Politikfeldern erleichtert.
https://www.chathamhouse.org/about/structure/russia-eurasia-programme

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik
„Russland / Eurasien“ gehört zu den Schwerpunktthemen dieses Think-Tanks. Die Analysen sind unter der Rubrik „Publikationen“ zu finden, berichtet wird außerdem über themenbezogene Veranstaltungen.
https://dgap.org/de/think-tank/schwerpunkte/russlandeurasien

Human Rights Watch
Die unabhängige Organisation mit Hauptsitz in New York tritt für die Wahrung der Menschenrechte ein und beobachtet dabei auch innen- und außenpolitisch Russland. Ein gesondertes Dossier ist nicht angelegt, die Beiträge lassen sich aber über die Suche auf der Website schnell finden.
https://www.hrw.org/de

Institut français des relations internationales
Russland und die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden seit 2004 als ein Schwerpunktthema beforscht. Dabei wird neben der Innen-, Wirtschafts- und Außen- auch der Energiepolitik des Landes besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Website ist viersprachig angelegt.
https://www.ifri.org/en/recherche/zones-geographiques/russie-nei

International Crisis Group
Die NGO mit Hauptsitz in Brüssel hat sich explizit der Förderung des Friedens verschrieben. Zentrale Beiträge zu Russland sind vor allem auf die Kaukasus-Region ausgerichtet, womit der islamistische Terror in den Mittelpunkt der Analysen rückt.
https://www.crisisgroup.org/europe-central-asia/caucasus/russianorth-caucasus

International Institute for Strategic Studies
Das Institut wurde 1958 in Großbritannien mit dem inhaltlichen Schwerpunkt auf atomare Abschreckung und Rüstungskontrolle gegründet. Eines der gegenwärtigen Forschungsprogramme ist „Russia and Eurasia“, wobei neben außen- und sicherheitspolitischen Fragestellungen auch innenpolitische und wirtschaftliche Themen bearbeitet werden. Dieses Programm ist am Standort in Washington D. C. verortet.
http://www.iiss.org/en/research/russia-s-and-s-eurasia

Primakov Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen
Das vormalige „Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen“ wurde 1956 in Moskau gegründet und gehört zur Akademie der Wissenschaften. Hinzuweisen ist hier vor allem auf die fortlaufend geführte Liste der Publikationen.
http://www.imemo.ru/en/publ.html

Raam op Rusland
Diese „Bühne für Wissen, Analyse und Debatte“ wurde von den Journalisten Hella Rottenberg, Hubert Smeets und Laura Starink gegründet und ist seit April 2016 online. Im Mittelpunkt der auf Niederländisch und Englisch veröffentlichten Beiträge stehen die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland. Trotz der Schwierigkeiten vor allem angesichts der Ukraine-Krise plädieren die Initiatoren der Website dafür, sich weiterhin – intensiv und kritisch – mit Russland zu beschäftigen. „Raam op Rusland will Fakten von Fiktion zu unterscheiden und den Dialog zu fördern.“ Zahlreiche namhafte Autoren konnten bereits für das Projekt gewonnen werden.
http://www.raamoprusland.nl/

RAND Corporation
Unter der Rubrik „The RAND Blog” findet sich „Russia“ als festes Stichwort, einen Schwerpunkt der Beiträge stellen die Schwierigkeiten in den amerikanischen-russischen Beziehungen dar. Der Think-Tank kann dabei auf eine über 70-jährige Expertise zurückblicken, seine Gründung war an das Ziel gekoppelt, der Sicherheit der USA zu dienen.
http://www.rand.org/blog.topic.russia.html

Stiftung Wissenschaft und Politik
Die Stiftung berät nach Selbstauskunft politische Entscheidungsträger*innen zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik beziehungsweise der internationalen Politik. Dabei richten sich ihre Angebote in erster Linie an Bundestag und Bundesregierung sowie für Deutschland wichtige internationale Organisationen wie EU, NATO und Vereinte Nationen. Es erscheinen fortlaufend Papiere auch zu Russland, zu dem Thema „Krise um die Ukraine“ ist ein gesondertes Themendossier eingerichtet worden, das nach Einträgen über Russland gefiltert werden kann.
https://www.swp-berlin.org/swp-themendossiers/krise-um-die-ukraine/

Stockholm International Peace Research Institute
Die Konfliktbewältigung ist ein Schwerpunktthema im Bereich „Russia and Eurasia“, als zwei Forschungsprojekte werden die Zukunft der Arktis sowie der Aufbau und die Sicherung des Friedens in der Kaukasus-Region genannt.
https://www.sipri.org/research/conflict-and-peace/russia-and-eurasia

Zusammengestellt von:

Natalie Wohlleben

Erschienen am:

4. Januar 2017

Aus der Annotierten Bibliografie

Reinhard Krumm / Sergei Medvedev / Hans-Henning Schröder (Hrsg.)

Constructing Identities in Europe. German and Russian Perspectives

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Internationale Politik und Sicherheit 66); 250 S.; 38,- €; ISBN 978-3-8329-7221-9
Die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union sind immer wieder von Kontroversen geprägt. In einem gemeinsamen Projekt der Friedrich‑Ebert‑Stiftung, der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und der Moskauer Higher School of Economics widmeten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich den „grundlegenden Fragen von Zugehörigkeit, Gesellschaft und Identität“ (7), die als tiefergehende Ursachen dieser Schwierigkeiten gewertet werden. Die Ergebnisse zweie...weiterlesen


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